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High-End Plattenspieler

Technikabend 20. September 2019

Ein verführerisches Thema, zugleich besetzt mit Vorurteilen. Verführerisch für Menschen, die bereits eine hochwertige HiFi-Anlage besitzen und (deshalb!) Musik lieben. Die meisten Mitmenschen betrachten High-End-Audio mit Misstrauen: ein teures Hobby für Spinner, die in ihrem Leben sonst nichts unwichtiges finden... Mit einem solchen Vorurteil schaden diese Menschen sich selbst am meisten, entgeht ihnen doch ein großartiges Vergnügen!

High-End Audio ist ganz großartig! Das Tor zu einer musikalischen Welt, die ohne extreme Technik unerreichbar ist. An diesem Abend konnten unsere Besucher vier solche analoge Extremisten bestaunen: SME Model 12, Thales TTT Slim, Kuzma Stabi R und Brinkmann Bardo musizierten an Kondo Elektronik und YG Acoustics Lautsprechern.

SME Model 12A

Dieses neue Analog-Wunder basiert auf einem altbekannten Plattenspieler: der SME Model 10 stand Pate. Seine Basis inklusive Motorsteuerung wurde weitgehend übernommen, einige Details verbessert. Am wichtigsten scheint jedoch die neue Tonarm-Verkabelung zu sein. Klangen SME-Tonarme bislang eher hart, so überrascht der SME 309 mit einer unfassbaren Präzision und Detailtreue ohne die frühere Nüchternheit und Härte. Großen Anteil an dieser enormen Klang-Steigerung hat auch das neue Phonokabel, das ebenso wie das neue Innenkabel von CrystalCable kommt. Der SME spielte mit dem MC-Abtaster EMT JSD Reference VM. Dieses System lässt sich dank wechselbarer Dämpfer klanglich feinjustieren. EMT liefert ein Holz- und zwei Metall-Stäbchen; an diesem Abend wählten wir den "mittleren" roten Metall-Stab, der eine gute Balance zwischen Klangfarben und Dynamik bietet. Wir hätten auch das Holz nehmen können, dann wäre etwas weniger Dynamik mit etwas schöneren Klangfarben  die Folge gewesen. Das zweite Metallstück führt zu einem sehr "sportlichen" Klang, der in unserer Anlage des Guten zu viel gewesen wäre. Der SME war mit Stillpoints Ultra6 verschraubt (anstelle der Standard-Füße), Stromkabel TransparentCable Reference PowerCable.

Kuzma Stabi R

Auch dieses Laufwerk gibt erst seit einigen Monaten. Die Optik erinnert an Studio-Laufwerke, das Gehäuse beherbergt einen Gleichstromantrieb mit Motor-Regelung und einen schweren Plattenteller (Metall-Acryl-Verbund). Das Laufwerk kann mit 4 Tonarmen ausgerüstet werden, an diesem Abend war "nur " ein einziger Arm angebaut, der jedoch kaum Wünsche offenlässt: der Kuzma 4P Arm in kurzer 9-Zoll-Ausführung führte ein Koetsu Black MC-System. Die Verkabelung kommt von Cardas und verläuft ohne Kontakt-Übergönge vom Tonabnehmer bis zu den (exzellenten!) Cinch-Steckern. Das Laufwerk stand (natürlich...) auf Stillpoints Ultra6, Stromkabel Kondo Persimmon, Plattenbeschwerer Stillpoints LPi.

Thales TTT Slim2

Dieses sehr kompakt gebaute Laufwerk bietet technische Schmankerl im Überfluss! Der elektronisch geregelte Gleichstromantrieb arbeitet auf einen schweren Metall-Verbund-Teller. Der Thales hat eingebaute Akkus für ca. 30 Stunden Betrieb, benötigt daher keine aufwendige Stromzuführung. Er spielte auf der hauseigenen Entkopplungsplattform, die das Laufwerk luftgefedert gegen schädliche Schwingungen abschirmt. Phonokabel war das überragende Cardas Clear Beyond, MC-System ein Clearaudio Stradivari (inkl. zusätzlichem Tonarmgewicht). Ein Stillpoints LPi Plattendämpfer komplettierte das Laufwerk.

 

Brinkmann Bardo

Unser "Arbeits-Tier" seit vielen Jahren spielte auch an diesem Abend. Dieser Plattenspieler ist uns ans Herz gewachsen, hat uns über Jahre begleitet und ermöglicht(e) uns die Beurteilung vieler Top-Tonabnehmer. Der Bardo ist unsere "sichere Bank": geht es darum , einen neuen Verstärker, eine neue Box oder ein Stromkabel zu testen, so schnappen wir uns unsreren Bardo als Quelle. Was mit diesem Laufwerk schlecht klingt, taugt nichts... Das soll nicht heißen, dass der Brinkmann der beste Plattenspieler schlechthin ist. Das bedeutet nur: wir haben mit diesem Laufwerk die längste Erfahrung. Das bedeutet auch: der Bardo gehört zu den Besten der Besten. An diesem Abend spielte er mit dem Brinkmann 10.5 Arm, Phonokabel Cardas Clear Beyond. Das Laufwerk stand auf drei Stillpoints UltraSS, Stromversorgung Transistor-Netzteil (leider nicht das nochmals besser klingende Röhren-Netzteil, denn aufgrund enormer Nachfrage konnten wir unseren Vorführer nicht schnell ersetzen). Stromkabel war ein Kondo Persimmon. Und als weiteres Highlight spielte in dem Brinkmann das himmlische MC-System Kondo IO-M.

Hörvergleich

Der Abend verlief erstaunlich. Man könnte doch annehmen, dass eine solch teure Anlage mit jedem dieser Plattenspieler gut klingen sollte. Das traf zwar zu, aber es gab doch überraschend große Unterschiede. Denn die Laufwerke gingen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen. Der Kuzma hatte das preiswerteste MC-System eingebaut: das Koetsu spielte auch gewohnt frei und offen. Allerdings gelang insgesamt nur eine gute Raum-Abbildung, eine Anlage dieses Kalibers kann deutlich mehr. So zeigte sich hier zugleich Freud und Leid eines HIgh-Enders: der Kuzma klang mit dem Koetsu zwar umwerfend gut, aber man spürte zugleich noch die "Luft nach oben". Da geht doch noch mehr... Und tatsächlich: mit dem SME ging die Post ab: sowohl Laufwerk wie auch EMT Tomabnehmer sind keine Kinder der Traurigkeit! Dynamik, Spielfreude, Präzision, Timing, Punch, Räumlichkeit: das war große Klasse. Fehlte vielleicht eine Spur "Schönheit", könnten ein wenig mehr Klangfarben das Bild noch abrunden? Der Thales TTT Slim mit dem Clearaudio Stradivari zeigte: mehr Klangfarben, ein etwas flüssigeres Klangbild zeigen andere musikalische Aspekte. Der Thales spielte in Punkto Dynamik auf SME-Niveau, hielt sich aber etwas mit dem Punch zurück. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass die die Unterschiede sehr gering waren und nach wenigen Hör-Minuten all diese Laufwerke großen Spaß bereiteten.

Man hätte den Abend ausklingen lassen können im Bewusstsein, einige der welt-besten Analoglaufwerke gehört zu haben. Wäre da nicht dieser Brinkmann gewesen. Wäre dort nicht das Kondo IO-M eingebaut gewesen. Kuzma, SME und Thales lagen preislich in etwas gleichauf und kosten jeweils ca. 15.000€. Der Brinkmann hingegen schlägt mit knappen 25.000€ zu Buche. Was dieses Laufwerk jedoch - vor allem dank des Kondo MC-Abtasters mit der Musik machte, verschlug allen die Sprache! Zunächst meinte man, im direkten Vergleich zu den anderen Laufwerken klänge der Brinkmann etwas dunkel, es ermangele ihm an Hochton. Aber nach nur wenigen Sekunden merkte man: da fehlte gar nichts. Was fehlte, waren Verfärbungen. Der Brinkmann nahm sich völlig zurück und überließ das Feld der Musik. Geradezu atemberaubend gestaltete sich die schwerelose Darstellung sowohl intimer Aufnahmen wie auch großer Orchesterstücke. Eine BlueNote Erstpressung nahm uns mit auf eine Zeitreise in die 1960er, atemlose Stille, da geschah wirklich etwas Besonderes!

Was bedeutet das nun? Ist der Brinkmann besser als der SME? Klingt ein SME immer sportlich, ist die Räumlichkeit bei einem Kuzma immer etwas weniger genau? Gewiss nicht! All dieser Laufwerke sind herausragend gut - sonst hätten wir sie nicht im Programm. Es gilt gewiss nicht die Regel teuer = gut! Aber unsere Aufgabe ist, bei der Auswahl auf exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis zu achten. Qualität macht auch bei High-End die größten Anteil am Klang. Der Rest ist Optik und ein Hauch von Klang-Geschmack.
Der Kuzma hatte das preiswerteste MC-System an diesem Abend eingebaut. Wäre der Kuzma Stabi R mit dem IO-M ausgerüstet worden, hätte er stimmiger gespielt. Der Brinkmann hätte mit dem Koetsu Abstriche hinsichtlich der räumlichen Abbildung und Staffelung hinnehmen müssen.
Wäre im Thales das EMT eingebaut gewesen, wäre er der Dynamik-Sieger gewesen. Hätte das Clearaudio im SME musiziert, hätte dieses Laufwerk besonders schöne Klangfarben geboten. Und bei allen Unterschieden hätten wir auch mit diesen Kombinationen einen wundervollen Musik-Abend gehabt. All diese Laufwerke hätten Spaß gemacht.

Man bedenke hier: die Anlage ohne Plattenspieler kostet weit über 100.000€. Ein adäquates Laufwerk sollte also durchaus 25.000€ (oder mehr) kosten. Es ist also keine Überraschung, dass der Brinkmann mit Kondo IO-M den Sieg holte.
Aber hier geht es auch um Stimmigkeit. Kenner wissen, dass Kondo immer und ausschließlich Weltklasse bietet und alle Teile extrem gut aufeinander abgestimmt sind. Hier hört man nicht "nur" einen Plattenspieler, Verstärker oder Übertrager. Hier hört man eine komplette Kondo-Kette: eine Idee, ein Ideal.

Fazit

High-End macht Spaß. Technik wird zu einer eigenen Kunstform, die sich darin zeigt, dass man nichts von der Technik wahrnimmt. High-End als Kunst des Nichts, der Selbst-Auflösung.  Willkommen im Himmel!

Zur Anlage: alle Laufwerke waren mit MC-Abtastern ausgestattet und wurden über den  Silber-Übertrager Kondo SFz angeschlossen. Der Übertrager stand auf drei Stillpoints UltraSS; das Kondo Silberkabel Theme LS4.1 ist direkt am Übertrager angebaut und leitet das Signal an die Phonostufe weiter. Die Röhren-MM-Phonostufe Kondo M7/Phono verstärkte die Musik; sie stand auf drei Stillpoints Ultra6, Stromzuführung mit dem Kondo Avocado Stromkabel, das der M7/Phono beiliegt. Für Leistung sorgte der Röhren-Vollverstärker Kondo Overture PM2, dessen 30 Watt für die Lautsprecher ausreichend waren. Der Vollverstärker stand ebenfalls auf Stillpoints Ultra6 (4 Stück), auch hier ist das hauseigene Stromkabel Kondo Avocado allererste Wahl. Über Kupfer-Lautsprecherkabel Kondo Operia SPc 2.5 (doppelte Ausführung für Bi-Wiring) ging es in die Stand-Lautsprecher YG Acoustics Hailey 2.2. Sie standen auf je drei Stillpoints Ultra5 und Sperrholzplatten, die ihrerseits auf Schieferplatten lagen. Alle Stromkabel wurden über eine Vibex Granada Platinum angeschlossen, die ihrerseits über ein Kondo Avocado in die Furutech Wandsteckdose angeschlossen war.

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