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Guter Klang mit alten Plattenspielern - Teil 3 Klang-Upgrade für Vernünftige

Sie besitzen einen älteren Plattenspieler, der technisch in Ordnung ist und bereits neue Nadel und neues Phonokabel bekommen hat. Gratulation! Sie haben die wichtigsten Hürden genommen, Ihre Schallplatten müssten nun besser klingen als Ihre CDs.

Neuer Phono-Vorverstärker

Die größte Schwachstelle (nachdem Ihr Plattenspieler aufgemöbelt wurde) ist die Klang-Qualität Ihres Phonoeinganges am Verstärker. Ist Ihr Verstärker auch bereits einige Jahrzehnte alt, dann ist es völlig normal, dass der Klang des Phonoeingangs nun muffig und eher dunkel ist.  Frequenzbestimmende Bauteile altern nun einmal. Ist Ihr Verstärker neueren Datums, dann wägen Sie ab: ein eingebauter Phonoverstärker kann für Abtaster bis ca. 100€ adäquat sein.

Haben Sie mehr als 100€ in einen neuen Tonabnehmer investiert, vielleicht sogar ein neues Phonokabel angebaut, dann sollten Sie sich unbedingt moderne, externe Phonoverstärker anschauen: bereits für knappe 100 gibt es tollen Klang von Pro-Ject oder Rega. Unser beliebtestes Gerät ist ein Graham Slee GramAmp2 Communicator: für knappe 200€ klingt Schallplatte mit diesem unscheinbaren Gerät fantastisch! Sparen Sie nicht am NF-Kabel, das den Phono-Vorverstärker mit Ihrem Verstärker verbindet!

Ihr Händler gibt Ihnen sicherlich gerne ein Testgerät übers Wochenende mit - dann können Sie ganz entspannt daheim testen, ob ein solcher externer Phono-Voverstärker den Klang Ihrer Anlage verbessert. Das machen wir übrigens gerne auch per Post: einfach mal bei uns anrufen oder Email schreiben.

Ein Tipp: vergessen Sie MC, nehmen Sie MM-Tonabnehmer. Nehmen Sie dann einen Phono-Vorverstärker, der nicht an alle möglichen Abtaster anpassbar ist. Solche Geräte klingen nur in einer Schalterstellung gut - und wenn Sie Pech haben, dann brauchen Sie einen andere Einstellung... (Und wenn Sie Glück haben, dann haben Sie "nur" Geld für Optionen ausgegeben, welche Sie niemals brauchen). Nehmen Sie einfach ein Gerät, das "nur" MM kann, dafür aber richtig gut.

Noch ein Tipp: investieren Sie in einen Phono-Vorvestärker ungefähr ebenso viel Geld wie in den Tonabnehmer. Dann passen Klang-Qualität von Tonabnehmer von Phono-Vorverstärker ideal zueinander. Falls Sie in naher Zukunft planen, einen viel besseren Verstärker und Plattenspieler zu kaufen, dann orientieren Sie sich an Ihren zukünftigen Geräten und kaufen gleich was Richtiges!

Neue Stellflächen

Jedes HiFi-Gerät - und vor allem jeder Plattenspieler - klingt nur dann gut, wenn es akustisch sinnvoll steht. Erschütterungen (grobe ebenso wie feine) dürfen nicht an das Gerät gelangen. Ebenso müssen etwaige mechanische Störungen vom Gerät weg geleitet werden.

Schlechte Stellflächen: Glas, Metall, Beton. Gute Stellflächen: MDF und Holz. Ideale Stellflächen: Schiefer, mehrfach verleimtes Schicht-Holz. Das bedeutet: stellen Sie Ihren Plattenspieler nicht auf ein anderes HiFi-Gerät, nicht auf ein Glas-Tisch, nicht auf ein Metall-Sideboard (USM Haller etc.). Falls sich kein anderer Platz findet, besorgen Sie sich ein MDF- oder Holzbrett in der Größe und Optik Ihres Plattenspieler und legen es unter den Plattenspieler, also zwischen Plattenspieler und (eigentlich ungeeigneten) Stellplatz. Das Brett sollte möglichst flächig auf der Stellfläche aufliegen - also keine Filzgleiter unter das Brett! Schwingungen werden nur dann durch das Brett gedämpft, wenn es flächig aufliegt. Viel besser wäre Schiefer, aber bedenken Sie das Gewicht von Schiefer und überlegen Sie, ob das für Ihren Fall passt. (Schiefer - auch auf Maß - bekommen Sie von uns oder von einem Steinmetz).

Neue Füße

Ihr Plattenspieler hat eine geeignete Stellfläche? Dann könnten Sie ihm auch akustisch optimale Füße spendieren. Preiswert und gut: RDC-Spikes von ClearlightAudio. Absolut high-endig und extrem viel besserer Klang (Fein-Dynamik, Auflösung, Räumlichkeit, Bass) wird es mit Stillpoints. Hier geht es jedoch um Preise von einigen hundert Euro! Stillpoints sind unter modernen Hochleistungs-Plattenspielern unverzichtbar. Überlegen Sie kritisch, ob Ihr alter Plattenspieler solches Potential hat...

Teller-Auflagen

Viele alte (und leider auch neue) Plattenspieler haben einen Metall-Plattenteller ohne innere Dämpfung. Solche Teller schwingen - dummerweise genau mit Frequenzen, die der Mensch zum Verstehen von Sprache braucht. Schwingende Metallteller verfärben daher Gesang. Dagegen lässt sich etwas tun: mein lege eine Kunststoff-Platte anstelle von Gummi- oder Filz-Auflage auf den Teller. Wir haben im Programm spezielle Dämpfer-Auflagen für alte Thorens-Laufwerke: die Dicke der Dämpferauflage entspricht der schlechten alten Gummimatte. Einfach austauschen - und man kann sogar mit einem alten Thorens Gesang verstehen.

Falls Sie Filz- oder Gummimatte gegen eine gute Dämpferauflage tauschen, prüfen Sie anschließend die Tonarmhöhe: LP aufleben, Nadel absenken und seitlich den Tonarm angeschaut: Er sollte parallel zur LP-Oberfläche liegen. Tut er nicht und Ihr Tonabnehmer hat weniger als ca. 200 € gekostet? Macht nichts - in dieser Qualitätsklasse wirkt sich die Tonarmhöhe so gut wie nicht auf die Klangqualität aus. Bei deutlich teureren Abtastern sollten Sie die Tonarmhöhe korrigieren. (Wie das geht, steht in der Bedienungsanleitung oder auf vinylengine.com).

Sie haben ein Filzauflage, die gelegentlich an der aufgeladenen Schallplatte kleben bleibt? Das ist lästig. Falls Sie dies stört, dann tauschen Sie die Filzauflage gegen eine Lederauflage. Klanglich dürften Sie keinen Unterschied bemerken, aber Leder sieht sehr gut aus und ist zu schwer, um an einer aufgeladenen LP hängen zu bleiben.

Platten-Beschwerer

Mancher Plattenteller ist sehr leicht. Und manche LP ist verwellt. Da könnte man auf die Idee kommen, Teller und LP zu beschweren. Ein Plattenbeschwerer tut genau das. Er wird auf die LP über dem Mitteldorn gelegt. Übliche Beschwerer wiegen einige hundert Gramm bis zu knapp einem Kilogramm. Derartiges Zusatzgewicht verkraften die Tellerlager in der Regel problemlos. Allerdings sitzt dieses zusätzliche Gewicht physikalisch an einer ungünstigen Stelle: für besseren Klang kommt es auf die Schwungmasse an, nicht auf das Gewicht als solches. So gesehen wäre es sinnvoll, zusätzliches Gewicht außen am Tellerrand zu platzieren. Das ist aber aufwendig (mehr dazu in einem zukünftigen Beitrag). Plattenbeschwerer hingegen bringen klanglich wenig Schwungmasse - und entsprechend gering ist der klangliche Mehrwert. Für viele Musikhörer lohnt es sich dennoch, denn Sie begrüßen diese - wenn auch kleine Klang-Verbesserung

Deutlich mehr Optimierung gelingt mit Beschwerern, die zusätzlich eine innere Dämpfung von mechanischen Schwingungen haben. Hier gibt es ein breites Angebot: ab ca. 150€ bis über 1000€ reicht die Preisspanne. Der mit Abstand spannendste Beschwerer kommt von Stillpoints: der LPi beseitigt hochfrequente feine Schwingungen und verbessert damit (ebenso wie die Stellfüße deses Herstellers) Räumlichkeit, Präzision und Dynamik. Der Preis ist jedoch recht hoch, der Stillpoints LPi bietet sich daher nur für den Hgh-End-Bereich an.

Das reicht noch immer nicht?

Sie sind bis hierher gekommen und haben einige der Vorschläge realisiert. Ihr Plattenspieler klingt nun viel besser, aber es reicht noch nicht.

Was können Sie tun?

Entweder: Sie könnten nun im letzten Teil dieser kleinen Serie erfahren, was Sie an Upgrade-Teilen erwerben können. Im vierten Teil beschreiben wir Dinge, die nur dann funktionieren, wenn Sie an diese Dinge glauben (Placebo-Effekt) oder die für alte Plattenspieler unangemessen teuer sind.

Oder: Sie sind ehrlich zu sich selbst und freunden sich mit der Idee an, einen neuen Plattenspieler zu kaufen. Kein noch so guter Oldtimer klingt auch nur annähernd so gut wie ein neue Player. Das mag übertrieben klingen, aber unser Alltag in unserem Geschäft zeigt genau das: technischer Fortschritt, moderne Fertigungsverfahren und Spezialisierung der Hersteller haben dazu geführt, dass moderne Plattenspieler qualitativ kaum noch etwas mit ihren Vorfahren gemeinsam haben. Jeder Laie hört das sofort: das neue Gerät klingt um viele Größenordnungen besser. Dieses Urteil basiert auf Geräten in unserem Angebot! Damit ist gemeint: das beste Gerät in der jeweiligen Preisklasse sei der Maßstab! Und dieses Aussage setzt voraus, dass Sie eine moderne HiFi-Anlage besitzen.

Ein alter Plattenspieler klingt daher passabel, falls auch alle übrigen Teile Ihrer HiFi-Anlage älter als 20 Jahre sind.
Noch entspannter können Sie an das Upgraden Ihres Plattenspieler gehen, falls Sie ihn an ein Dudel-Kistchen von beispielsweise Sonos, Bose oder B&O anschließen: solche Geräte sind ja nicht zum Musik-Hören gebaut, sondern sollen im Hintergrund ein wenig Geräusch machen. Ist also Klang-Qualität entweder nicht möglich oder gar nicht gefragt, können Sie natürlich mit einem alten Plattenspieler Ihre LPs hören.
Ein Quailtäts-Problem haben Sie auch, wenn Sie Musik über Ihre AV-Anlage hören möchten. AV-Receiver sind als Effektgeräte gebaut, die den Fernseh-Ton aufpeppen. Sobald kein Bild mehr da ist, schalten Sie von Sehen-mit-Ton auf Klang-Hören um. Und nun bemerken Sie, dass Ihre AV-Anlage zum Musikhören nicht gemacht ist. Bei geringem Anspruch an den Klang können Sie Ihren alten Plattenspieler sicherlich am AV-Receiver anschließen und gelegentlich mal eine LPs hören. Haben Sie jedoch mehr erwartet, dann investieren Sie in eine gute moderne Stereo-Anlage. Wir (oder jeder andere gute HiFi-Händler) beraten Sie gerne, wie Sie das in Ihre AV-Anlage integrieren.

Deshalb empfehlen wir für alte Plattenspieler all solche Upgrades, die Sie einfach in neue Geräte mitnehmen können. Ein neuer Tonabnehmer, schicke Stellfüße und Stell-Platten, Plattenbeschwerer und Tellerauflagen lassen oftmals auch neue Plattenspieler gut klingen. Nur ein angelötetes Phonokabel sollte beim Alt-Player bleiben: der nachfolgende Besitzer wird sich freuen und der finanzielle Verlust ist nicht allzu hoch.

Daher zum Abschluss der vielleicht wichtigste Tipp: möchten Sie ernsthafte, hochklassige Qualität beim Musikhören, dann vergessen Sie Ihren alten Plattenspieler (und auch Ihre alte HiFi-Anlage!). Hören Sie sich nach zwanzig Jahren endlich etwas wirklich Gutes an: besuchen Sie einen guten HiFi-Händler und staunen Sie! Hören Sie! Und dann lassen Sie sich eine tolle neue Anlage zusammenstellen - von einem Fachmann, der Ihre Bedürfnisse versteht. Und anschließend entspannen Sie sich. Ihr Gehör wird sich endlich weiterentwickeln, Ihr Kunstverständnis wird völlig neue Welten entdecken, Sie werden Musik mit einer Liebe erleben, die Ihnen unvorstellbar war. Mehr zu diesem Thema an anderer Stelle...

Weiter zu Teil 4: Upgrades für Unvernünftige

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