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Guter Klang mit alten Plattenspielern - Teil 1 Bestandaufnahme

Sie besitzen einen Plattenspieler, der in die Jahre (Jahrzehnte) gekommen ist. Die Nadel ist abgenutzt und braucht Ersatz - oder vielleicht waren Sie bei einem unseren Technikabende und sind wieder auf den Vinyl-Geschmack gekommen. Nun stellt sich die Frage: klingt mein alter Plattenspieler noch gut? Kann ich mit überschaubarem Aufwand klanglich etwas herausholen? Wenn ja: wie soll das passieren?

Diese Serie von Beiträgen wird Ihnen dabei helfen, Ihren alten Plattenspieler klanglich aufzuwerten, Schwachstellen zu finden und zu beseitigen und dabei nicht zuviel Geld auszugeben.

Sie haben Ihr altes Schätzchen vom Dachboden geholt oder bei Ebay ersteigert? Bevor Sie Ihre erste Schallplatte auflegen, sollten Sie das Gerät prüfen, damit bei einem etwaigen Defekt Ihre Platten nicht den frühen Kratzer-Tod sterben.

Übersicht
Teil 1: Bestandsaufnahme
Teil 2: Austausch elementarer Verschleißteile
Teil 3: Klang-Upgrade für Vernünftige
Teil 4: Klang-Upgrade für Unvernünftige

Teil 1a: Bestandsaufnahme Tonarm

Bevor Sie auf Zubehör-Einkaufstour gehen, sollten Sie Ihren Plattenspieler kritisch prüfen. Einige Teile lassen sich auch nach Jahrzehnten einfach tauschen, andere bedeuten einen Total-Schaden. Bevor sie also Teile einbauen und erst danach merken, dass Ihr Gerät nicht mehr funktionstauglich ist, empfehle ich: prüfen Sie zuerst, ob noch alles funktioniert.

Prüfen Sie den Tonarm

Sieht der Tonarm gut aus oder hat der Dellen oder gar einen (vom Hersteller erkennbar unbeabsichtigten) Knick? Ja = der Tonarm ist defekt und unbrauchbar.

Die meisten Plattenspieler haben einen Tonarm, der sich in zwei Achsen leicht bewegen lässt. Balancieren Sie den Tonarm auf "0" aus, so dass er "schwebt". Dann blasen Sie leicht gegen den vordersten Teil (dort, wo der Tonabnehmer eingebaut ist).  Pusten Sie von oben, und der Tonarm sollte leicht nach unten und oben wippen und dann zum Stillstand kommen. Pusten Sie von der Seite, und der Tonarm sollte sich ein Stück von Ihnen weg bewegen. Bewegt sich der Tonarm nicht leichtgängig, sind die Tonarm-Lager fest. Der Tonarm ist damit unbrauchbar. Sie könnten versuchen, die Lager nachzustellen. Allerdings deuten schwergängige Lager darauf in, dass die Lager im Inneren rauh und abgenutzt oder durch einen Schlag unbrauchbar wurden. Der Tausch eines Tonarm-Lagers ist praktisch nicht möglich, schon gar nicht von einem Laien.

Stellen Sie nun wieder eine brauchbar Auflagekraft ein (z.B. 2 Gramm, damit der Tonarm nicht unkontrolliert "schwebt".  Prüfen Sie nun das Lager-Spiel, indem Sie den Tonarm sanft (!) in die Richtung versuchen zu bewegen , in welcher er nicht drehbar ist. Stehen Sie vor dem Gerät, so ziehen Sie sanft am Tonarm bzw. drücken sanft nach hinten. Das sollte Ihnen nicht gelingen! Fühlen Sie jedoch Lager-Spiel, klappert der Tonarm gar bei diesem Versuch, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
(1) Ihr Tonarm besitzt Messerlager (alte Lenco 75, alte SME 3009 / 3012). "Lager-Spiel" ist in diesen Fällen normal. Falls Sie einen Well Tempered mit Silikon-Öl-Lager besitzen, wissen Sie ohnehin, dass dieser Test für Ihren Tonarm nicht anwendbar ist...
(2) Ihr Tonarm besitzt Gleit- oder Spitzenlager. Diese Konstruktion ist bei fast allen Plattenspieler gegeben. Sollten Sie hier Lagerspiel fühlen, bedeutet das: das Lager ist defekt. Je mehr Spiel, umso mehr Verzerrungen wird ein solcher Tonarm produzieren. Manchmal lässt sich das Lager nachstellen, das Spiel damit reduzieren. Sollten Sie keine Erfahrung mit Tonarm-Lagern habe, überlassen Sie dies einem Fachmann. Ein kleine bisschen zuviel geschraubt, und das Lager ist hinüber! Die meisten Thorens, Dual, Phillips und andere Plattenspieler aus den 1970er haben nach den Jahrzehnten fast immer Lagerspiel, ebenso die meisten aktuelle Billig-Plattenspieler (ab Werk).

-> Ihr Plattenspieler hat kein Lagerspiel? Wunderbar! Sie können auch sehr hochwertige Tonabnehmer einbauen mit verzerrungsarmer, luftiger und klare Wiedergabe.

-> Ihr Tonarm hat ein bisschen Spiel, aber man muss recht genau hinschauen um es zu entdecken? Da haben Sie noch Glück und können Tonabnehmer bis ca. 100€ einbauen. Damit kann man also richtig gut Musik hören, sofern man nicht allzu große Ansprüche an Verzerrungsarmut und Räumlichkeit hat.

-> Ihr Tonarm hat so viel Spiel, dass man es deutlich sieht? Der Tonarm klappert hörbar, wenn Sie ihn nach vorne und hinten bewegen möchten? Dann ist Ihr Tonarm nicht mehr benutzbar. Die Musik wird verzerren -umso mehr, je besser der Tonabnehmer ist! Falls Sie unbedingt diesen Plattenspieler noch benutzen möchten, dann bauen Sie ein möglichst preiswertes Abtast-System mit runder (=sphärischer) Nadel ein. Hören Sie ehe Rock und Pop, Jazz wird schwierig, Klassik dürfte zur Qual werden.

Teil 1b: Bestandsaufnahme Antrieb

Ist es ein Riemenantrieb, dann schalten Sie den Plattenspieler ein und beobachten den Plattenteller. Nach ungefähr ein bis zwei Umdrehungen sollte die Nenn-Drehzahl erreicht sein. Braucht Ihr Gerät länger, dann tauschen Sie den Antriebsriemen aus. Dreht er sich gar nicht, und der Riemen ist locker, klebrig, oder ganz weg - dann besorgen Sie sich einen neuen Riemen.

Ist es ein Direktantrieb, dann sollte der Teller sich nach ca. einer Umdrehung auf Nenndrehzahl befinden. Beobachten Sie ein eventuell vorhandenes Stroboskop: wackeln die Markierungen? Dann könnten das auf schwankende Drehzahl deuten. Drehen Sie einige Mal an Drehzahl-Feineinstellknöpfen - häufig hat sich hier etwas Schmutz abgesetzt, der sich durch Drehen vertrieben lässt. Immer noch wackelig? Dann prüfen Sie zunächst die Nadel und hören sich danach eine Platte an, um nach Gehör zu testen, ob etwas leiert.
Läuft alles gleichmäßig, dann dürfte alles ok sein, Dreht sich der Teller gar nicht, aber Anzeigen leuchten, bewegen Sie den Tonarm über den Teller (achten Sie darauf, dass die Nadel nicht auf den Teller ohne Schallplatte fällt). Dreht er sich jetzt? Dann besitzen Sie einen Halb- oder Voll-Automat. Alles ok. Geht jetzt immer noch nichts? Dann könnte der Antrieb defekt sein. Oder Sie haben doch einen Riemenantrieb und er Riemen ist weg (in diesem Fall: diese vorheriger Absatz).

Dreht sich der Teller, dann betrachten Sie ihn von der Seite. Hat er "Seegang" oder läuft er schön gerade und gleichmäßig? Ein Höhenschlag von 1mm sieht zwar schlimm aus, ist aber technisch noch ok (außer bei Geräten der Spitzenklasse oder gar High-End). Erst bei deutlich größeren Höhenschlägen ist langsam Schluss. Größere Höhenschläge sind häufig bei Direktantrieben zu beobachten, die einen leichten, dünnen Aluminium-Teller haben. Falls Sie sich trauen: biegen Sie den Teller wieder gerade... Aber falls er bricht: ich bin nicht Schuld

Tellerlager: bei Riemenantrieben nehmen Sie den Riemen ab und schubsen den Teller dann kräftig an. Er sollte sich recht lange drehen. Wie lange? bei sehr guten Geräte durch aus Minutenlang, sicherlich aber länger als eine Umdrehung. Bleibt Ihr Teller nach wenigen Sekunden stehen, ist vermutlich das Tellerlager trocken oder gar verrostet. Falls nur Öl fehlt: füllen Sie spezielles druckfestes Öl ein (wir bieten derartige Spezialöle an). Falls verrostet: beurteilen Sie selbst, ob noch etwas zu retten ist. In der Regel bedeutet ein rostiges Lager: das Laufwerk ist unbrauchbar.

Plattenteller-Auflage: sieht die Gummi. oder Filzmatte noch ordentlich aus? Ja? Perfekt! Nein? Dann tauschen Sie die Matte gegen eine neue aus. Wir führen eine große Auswahl an Tellermatten! Wir haben auch solche aus Acryl, die den Klang deutlich hörbar verbessern! Aber zum Klang-Verbessern kommen wir später...

Teil 1c: Unwichtiges

Ihr Gerät hat eine Automatik, die nicht mehr funktioniert? Macht nichts! Solange Ihr Gerät einschaltet, der Tonarm leicht beweglich ist und das Gerät auch wieder ausgeschaltet werden kann, ist die Automatik nur Luxus. Die Reparatur der Automatik ist in der Regel nicht mehr möglich, da Teile nicht mehr lieferbar sind - oder unangemessen teuer. Sollten Sie jedoch ein Sammlerstück besitzen, das sie unbedingt restaurieren möchten, dann besorgen Sie ein identisches zweites Gerät zum Ausschlachten (und hoffen, dass dort die Teile noch intakt sind) oder geben es zu einem Spezial-Restaurateur. Wir führen keine Reparaturen an der Automatik durch.

Haube defekt, gebrochen, nicht mehr auffindbar? Macht nichts - Ihr Plattenspieler klingt ohne Haube ohnehin besser... Die Haube ist zerkratzt? Besorgen Sie sich Acryl-Politur (bei uns oder im spezialisierten Baufachhandel) und polieren ein wenig. Danach sieht die Haube aus wie neu!

Gehäuse ist zerkratzt oder hat einen Riss? Solange der Plattenspieler gerade steht und nicht kippelt, ist das Gerät technisch einsatzbereit. Optisch mag das nicht schön sein, aber vielleicht hilft Ihnen ein engagierter Schreiber vor Ort. Oder eine Tube Uhu...

In Teil 2 lesen Sie, wie Sie welche elementaren Teile austauschen.

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