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The Kondo Experience

Da steht er: der neue Kondo G-70i

Seit gestern steht ein neuer Vorverstärker im Regal. Ein Kondo G-70i. Der soll 32.000€ kosten. Damit ist der kleine Kondo der teuerste Vorverstärker, den ich bislang in meinem Geschäft hatte. Er steht da zum Ausprobieren. Das habe ich gestern getan.

Denn vorgestern kamen neue Lautsprecher (YG Carmel2), die ich ohnehin einspielen wollte. Also schnell eine kleine Anlage aufgebaut: ein Thales Plattenspieler mit einem Koetsu Black stand ohnehin bereit, ein kleiner Kondo CFz Übertrager und daran eine EAR Yohsino 88PB Phonostufe, Kondo Theme LS41 NF-Kabel - rein in den neuen G-70i und dann eine Nagra Endstufe dran. Später dann habe ich die Nagra-Endstufe durch den Kondo Overture PM-2 Vollvestärker ersetzt - auf Anraten des Vertriebes. Herr Schmieding vom Kondo-Vertrieb Bemax-Audio meinte: probiere das mal aus, der Overture klingt mit der G-70i nochmals besser.

Eine Hand auf der YG Carmel2, andere Hand auf der Vollverstärker Kondo Overture PM-2.

Erster Eindruck: ganz ok. Ich wollte der Vorstufe und den Lautsprechern ein paar Stunden Zeit zum Einspielen geben. Also einen alten Quad-Tuner angeschlossen, Wurfantenne dran. Und so spielte die Kombi dann zwei Tage vor sich hin. Nach einigen Stunden bereits geschah merkwürdiges: der olle Quad machte irgendwie Musik. Es rauschte zwar (Wurfantenne...), aber irgendetwas war da. Dann am Donnerstag Nachmittag: der RBB übertrug eine Sendung mit Live-Mitschnitten eines Nachwuchs-Wettbewerbs. Und plötzlich standen die Musiker in meinem Zimmer. Aber das war doch nicht möglich! Der Quad war mit einem Din-auf-Cinch-Adapter für 1,95€ angeschlossen. Der Quad rauschte. Das war bloß UKW-Radio. Da war kein High-End weit und breit! Nein - ich musste mich irren.

Bach - Partias - Weissenberg

Tags darauf dann: ein sonniger Vormittag in Berlin, abends Fussball-WM, kein Kunde in Sicht, Telefone ruhig - also Zeit zum Musikhören. Als erstes eine alte Aufnahme: Weissenberg spielt Bach Partitas. Tonarmhöhe etwas nachgestellt - und schon hier war alles anders: jede winzige Veränderung der Tonarmhöhe war extrem klar hörbar. Hatte ich mich gerirrt? Tonarm auf alte Höhe zurück. Tatsächlich: jeder kleine Ruckel an der Höhenschraube des Thales war ganz deutlich hörbar.

Thales ttt slim mit MC-System Koetsu Black. Steht auf Stillpoints UltraSS, auf der Platte liegt ein Stillpoints LPi, rechts steht der Übertrager Kondo CFz.

Ich habe mich dann mit mir geeinigt: ich höre auf mit dem Rumschrauben und setze ich mich einfach hin und höre Weissenberg beim Bach-Spielen zu. Nach zwanzig Minuten braucht ich erst einmal eine Pause. Unglaublich! Ich habe diese Platte gefühlte zehntausend mal gehört - aber da war ja viel mehr zu erleben als ich bisher angenommen hatte. Merkwürdig.

Danach musikalisch ein bisschen Dies, ein bisschen Das - was da an LPs so rumstand. Jazz, alte Rockscheiben. Wieder und wieder: der helle Wahnsinn! Völlig gleichgültig, ob Super-Mega-High-End-Pressung oder olle Flohmarkt-Scheibe: alles ging. Alles lief, machte Spaß, klang frei, machte Sinn.

Konnte ein Vorverstärker solch einen Einfluss haben? Hatte ich vielleicht einfach nur gute Laune? Oder war vielleicht das Koetsu daran "Schuld"? Daheim habe ich ein Grado Refence, das ich auch im Geschäft habe. Also den Thales schnell auf Grado umgebaut (Übertrager raus, denn das Grado will wie ein MM behandelt werden). Klingt anders (logisch!), klingt genauso toll.
Was da wohl ein "großer" Tonabnehmer macht? Also ein EMT JSD VM eingebaut (kostet ungefähr das Doppelte des Koetsu und Grado), ein bisschen mit der Tonarmhöhe rumgespielt (ja - auch hier: jeder Hauch von Höhenverstellung macht einen RIESEN-Unterschied - noch nie hatte ich so schnell meine Lieblings-Tonarmhöhe gefunden). Und wieder Weissenberg. Ein neues Universum tat sich auf. Hatte ich jemals derart intensiv Bach gehört? Hatte ich das alles bislang überhört? Das war früher schon da? Wohl eher nicht...

Bach - Kantaten BWV 109/155 - Helmuth Rilling & Bach-Ensemble

Und wo ich schon mal bei Bach war: Zeit für eine Kantate. Rilling legte los - und das war wirklich herzergreifend! Mir fehlen die Worte! Niemals zuvor habe ich derart fein in den Raum gehört, niemals zuvor habe ich die Stimmen derart fein getrennt erlebt. Kein Hauch von technischem Detail-Kram - das machte alles Sinn. Einfach so. Diese unglaubliche Leichtigkeit und Schwere zugleich.
Und da hatte ich bisher gedacht, ich kenne diese Musik. Weit gefehlt! Selten habe ich mich derart über meinen Irrtum gefreut...

Man bedenke: die Kette war alles andere als optimal. Ich hatte zwar mittlerweile ein bisschen optimiert: Plattenspieler, Übertrager, Phonostufe und Endstufe auf Stillpoints. Stromseitig war auch alles gut: Vibex Alhambra/Granada, Stromkabel von Kondo und TransparentCable.
Aber ansonsten: die Phonostufe "nur" ein Gerät für knappe 4.000€ - das war weniger als das Kondo-Kabel kostet. Die Nagra-Endstufe liegt auch nur bei knapp der Hälfte der Kondo-Vorstufe. Da saß ich nun und malte mir aus: was mag passieren, wenn meine Kondo M7/Phono nächste Woche kommt? Und wenn ich mein Kondo IO-M in den Thales einbaue? Und den Kondo SFz Silber-Übertrager hatte ich auch noch nicht eingesetzt. Und wenn ich dann noch einen großen Thales besorge? Größere YG Boxen? Sorgen eines High-Ender? Vielleicht.

Und dann habe ich mich zurück gelehnt, habe mich gefreut, dass die größeren Spielzeuge bald in meinem Geschäft stehen - und habe weiter Musik gehört. Wobei: ich habe nicht einfach gehört, ich habe erlebt.

Lassen Sie mich schließen mit einem Zitat von Art Dudely, einem von mir sehr geschätzten Autor der amerikanischen stereophile. Art Dudley schreibt am Ende eines Kondo-Berichtes: "... Kondo Elektronik gibt einen Einblick in eine Klangwelt, in der Worte wie "extravagant" und "überflüssig" nicht existieren, und wo Exzess weniger mit Opulenz zu tun hat als mit einer zielstrebigen Hingabe an das Streben nach hörbarer Kunst."

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