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Technikabend - Plattenspieler im Vergleich

Kuzma Stabi Reference

17. Februar 2017 - Technikabend - ein sehr gut besuchter Abend: manche Besucher mussten stehen. Dabei gab es doch "nur" Plattenspieler zu hören.
Nun ja - nicht nur... Wir hatten fünf Plattenspieler zu Preisen zwischen 380 Euro und fast 20.000 Euro. Auch unsere Anlage war echtes High-End. Also vielleicht doch nicht ganz überraschend, dass sehr viele Besucher kamen.

Unsere Technikabende sind ja immer mehr als simple A-B-Vergleiche. Seit vielen Jahren geben wir unser Wissen weiter und sorgen für mehr Spaß am Musikhören. Ein Abend mit vielen Plattenspielern ist also nicht nur einfaches Umschalten von Gerät X zu Gerät Y, sondern wir geben Tipps zur richtigen Auswahl eines Plattenspielers. Zudem beschreiben wir,  warum ein preiswertes Gerät in einer High-End-Anlage nicht gut klingen kann. Wir erläutern, warum teure Geräte besser klingen als Preiswerte? Und ganz nebenbei geben einen kleinen Hörkurs und ermöglichen dadurch auch Besuchern ohne geschultes gutes Gehör, Spaß an einer High-End-Anlage zu erleben.

Denn zu aller erst muss man sein Gehör ein wenig schulen, damit man Unterschiede überhaupt hören kann. Hören hat nur wenig mit den Ohren zu tun, umso mehr aber mit der Fähigkeit unseres Gehirns zum Hören, zum Wahrnehmen von Klängen, Gesang und Musik. Jeder Mensch muss sich diese Fähigkeit erlernen, erarbeiten. Wer zum Technikabend kommt und daheim eine alte Anlage hat oder gar unterwegs MP3 gehört hat, braucht viel länger, um sein Gehör auf High-End-Niveau zu bringen.

Daher gibt es bei unseren Technikabenden immer eine kurze erklärende Einführung. Wir beschreiben die Technik, erklären mit Worten die Klang-Unterschiede und den Sinn einer hochwertigen HiFi-Anlage. Dann lassen wir unseren Besuchern einige Minuten Zeit, um sich auf den Klang und die Qualität der Anlage einzuhören. Erst dann geht's los.

An diesem Abend waren folgende Plattenspieler zu hören:
# Rega Planar 1 mit MM-System Ortofon 2M Red
# Rega Planar 3 mit MM-System Clearaudio Performer V2
# Rega RP 10 mit MC-System EMT TSD75
# Kuzma Stabi S mit High-Output-MC Dynavector 10X5
# Kuzma Stabi Reference mit MC-System Dynavector Te Kaitora Rua

Es gab also viele interessante Aspekte zu entdecken: zum Einen hatten wir nur Geräte zweier Hersteller: so konnte man herausfinden, wie sich Qualität bemerkbar macht. Denn ein "kleiner" Rega klingt beim flüchtigen Reinhören ähnlich wie ein "großer" Rega - und das soll auch so sein. Andernfalls hätte der Hersteller kein Klang-Ideal und wäre mithin unfähig. Ebenso Kuzma: auch hier zwei Geräte, die vordergründig recht ähnlich klingen - aber nach ein wenig Eingewöhnungszeit unterschiedlicher nicht sein können.  Und gerade diese gleichzeitige Gemeinsamkeit und Unterschiedlichkeit macht den Reiz aus: die Unterschiede gelten der Qualität! Bei den beiden Kuzmas waren bewusst Tonabnehmer des gleichen Herstellers Dynavector eingebaut: auch hier klangliche Ähnlichkeiten und zugleich riesige Qualitäts-Unterschiede. Immerhin war der Preis-Abstand mehr als das 6-fache!

Vorstufe EAR Yoshino 912

Die HiFi-Anlage dieses Abends bestand aus Avalon Transcendant Lautsprechern, EAR Yoshino 912 Vorverstärker und Sugden Mono-Endstufen. Alle Plattenspieler waren an die eingebaute exzellente PhonoStufe des EAR 912 Vorverstärkers angeschlossen. Cardas-Verkabelung und Stromversorgung von Ansuz rundeten die Anlage ab. Vermutlich kamen einige Besucher schon wegen dieser wundervollen High-End-Anlage!

Tipp: falls Sie diesen Technikabend verpasst haben, können Sie am 3. März diese Anlage erneut hören!

Rega Planar 1

Rega Planar 1

Dieser preiswerte Player ist alles andere als ein Einsteiger-Gerät! Trotz des moderaten Preises spielt der Planar 1 so manches alte "High-End"-Laufwerk in Grund und Boden. Auch aktuelle Player müssen sich an diesem intelligent aufgebauten Laufwerk messen. Der Rega PLanar 1 ist nicht High-End (gemessen an aktuellen echten High-End-Laufwerken). Aber er macht vieles richtig: Timing, Dynamik, Auflösung, Bass, Hochton-Auflösung - alles passt zusammen. Und gerade diese Fähigkeit, Musik stimmig und als Einheit wiederzugeben, macht den Planar 1 (wie alle anderen Rega Laufwerke auch) zu einer Referenz in seiner Preisklasse.

Rega Planar 1 mit MM-System Ortofon 2M Red

Mag sein, dass dieser preiswerte Plattenspieler etwas Mühe hatte, sich in unserer überragend spielenden Anlage zu behaupten. Manch ein Besucher monierte denn auch, dass der Planar1 mit dem preiswerten MM-Abtaster Ortofon 2M Red etwas kratzig klang. Aber unser Technikabend - und die großartige Abhör-Anlage - sollten ja Unterschiede hörbar machen und nicht eine Ideal-Kombi demonstrieren. Ein Rega Planara 1 gehört sicherlich nicht in eine Anlage im Wert von über 50.000€. Aber in einer passenden Anlage (Verstärker und Boxen jeweils bis ca. 1.000€) dürfte der Rega das Maß der Dinge sein.

Rega Planar 3

Rega Planar 3

Ein Klassiker im aktuellen Gewand: der Rega Planar 3 spielt seit 40 Jahren die meisten Mitbewerber an die Wand. Der Plattenspieler wurde von wenigen Wochen rund-erneuert und treibt die meisten vergleichbar teuren Geräte anderer Hersteller zur Verzweiflung.

Wie macht Rega das nur? So wenig Gerät und so viel Klang? Nun - im Grunde ganz einfach: Rega forscht seit Jahrzehnten intensiv an Technik, Akustik und Mechanik. Ein Rega Player steckt voller innovativer Ideen, die jedoch bewusst nicht optisch aufgeblasen werden. So wirkt ein Rega Plattenspieler dezent, spielt jedoch extrem stimmig.

Das merkte man auch beim Rega Planar 3: zusammen mit dem herausragenden MM-Abtaster Clearaudio Performer V2 konnte er hörbar mehr Spaß machen als sein kleiner Bruder. Auch hier spielte zwar noch kein High-End, aber der Planar 3 verschob das Gesamt-Niveau erfreulich weit in Richtung High-End.

Rega RP 10

Rega RP10

Der Top-Player von Rega ist der RP 10: Skelleton-Design, hand-selektierter Tonarm, Lager, Antrieb. Aufwendige,  individuell  angepasste Motorsteuerung. Keramik-Plattenteller. Dazu spendierten wir das MC-System EMT TSD75.

Nach wenigen Takten war klar: das war toll. Viel besser als bei den "kleinen" Rega-Playern. Spannende Dynamik, feine Detailauflösung, großer Fuss-Wipp-Faktor.

Aber wie konnte das denn sein? So wenig Plattenspieler - eigentlich noch weniger als beim Planar 3, dann aber das Preisschild (fast 6.000€ für Plattenspieler und Tonabnehmer). Mancher Besucher schüttelte den Kopf: da hatte man immer behauptet, teure Plattenspieler müssten viel wiegen, groß sein und fette Technik zeigen - und nun sowas...

Ich hatte aber bereits gewarnt: Rega ist ein Know-How-Hersteller! Rega kann wirklich was!

Kuzma Stabi S

Es gibt natürlich auch andere Hersteller, die ihr Geschäft verstehen. Darunter dürfte Kuzma eine Top-Position einnehmen. Der slovenische Hersteller bietet zwar keine Plattenspieler im Low-Budget-Bereich, hält aber für ambitionierte Einsteiger durchaus etwas bereit.

Der hier gezeigte Kuzma Stabi S ist seit einigen Jahren auf dem Markt und bietet ab ca. 2.000€ eine spannende Plattform. Der an diesem Abend gespielte Kuzma Stabi S ist eine der preiswertesten Ausführungen: mit dem sehr guten Rega Rb202 Tonarm und einem Dynavector 10X5 läuft die Musik flüssig mit sehr guter Dynamik, sattem Bass und stimmiger Präzision. Der glückliche Besitzer eines solchen Laufwerkes kann später jederzeit einen Doppel-Plattenteller, besseren oder gar zweiten Tonarm sowie Motorsteuerung dazukaufen. Und mit jedem Upgrade klingt der Kuzma besser und besser und besser.

An diesem Abend hatte der Kuzma jedoch ein Problem: er klang viel besser als der Rega Planar 3, erreichte aber nicht das Niveau der viel teureren Rega RP 10 und Kuzma Stabi Reference. Nun - das muss er auch nicht. Im Vergleich dieses Abends besetzte er die psychologisch schwierige Mittelposition.

Kuzma Stabi Reference

  Und dann war da noch dieser Bolide: der Kuzma Stabi Reference mit Kuzma 4P Tonarm und MC-System Dynavector Te Kaitora Rua. Er stand auf Ansuz Entkopplern und spielte über den MC-Übertrager, der in der EAR 912 eingebaut ist. Netzkabel der X-Serie von Ansuz, Netzfilter SparkTC von Ansuz. EAR Vorstufe auf Stillpoints Füßen. Was für ein Aufwand! Ob man das wohl hört?

nach wenigen Takten war klar: natürlich (!) hört man das!

Das war Wow-Fidelity! Egal, was auf dem Teller lag. David Lee Roth's harter Hard-Rock - da geht die Post ab. Strauss' Rosenkavalier (Aufnahme von 1958 mit Elisabeth Schwarzkopf und dirigiert von Karajan) - feinste Details, Klangfarben, Nuancen, großer Raum. Oscar Peterson Trio auf MPS - relaxte Eleganz, feine Kontrabass-Läufe, perfektes Timing des Klaviers, Live-Atmosphäre.

Der Witz von High-End ist ja keineswegs ein besserer Klang als Selbstzweck. High-End ist etwas ganz anderes: mehr Gefühl, mehr Spaß, mehr Musik! Mit High-End hört man viel mehr Musik, viel mehr Musik-Richtungen. Man hört viel mehr Musik mit viel mehr Spaß!

Ist dieser Spaß auch 20.000€ wert? Für mich als High-End-Liebhaber eine merkwürdige Frage: natürlich! Jeder Cent! So sahen das auch die highend-erfahrenen Besucher.

MC-System Dynavector Te Kaitor Rua am Kuzma Stabi Reference

Für manch einen Besucher eher nicht: dafür würde man sich doch eher ein Auto kaufen.

Nun - hier könnte man trefflich streiten ...

Wobei man sich im Klaren sein sollte: um derart perfekte Musikwiedergabe schätzen zu können, bedarf es der Erfahrung, der Übung seines Gehörs. Viele Menschen glauben, "man" könne von Geburt an hören. Das ist jedoch falsch! Man mag zwar Geräusche wahrnehmen und lernt dann schnell, Sprache zu verstehen und einfache Melodien als Musik einzuordnen. Aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was das Hören sein kann! Der Mensch hört mit seinem Verstand, nicht mit seinen Ohren...
Es ist wie mit dem Gehen: das lernt man als Mensch sehr früh in seinem Leben. Aber um Marathon laufen zu können, muss man üben üben üben....

Daher sind die Möglichkeiten eines kurzen Technikabends begrenzt: für erfahrene High-End-Kenner dürfte an diesem Abend nur der Kuzma Stabi Reference das Plazet bekommen haben. Der Rega RP10 war klar zweiter Sieger.
Für alle anderen Besucher war es eine interessante Begegnung mit exzellenter Vinyl-Wiedergabe und Weltklasse HiFi-Technik.

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