☎ Beratung 030 797 418 35

Lange Nacht der Ohren 2016

Am 5. November 2016 war wieder einmal Berlin auf dem HiFi-Trip. Viele HiFi-Händler öffneten ihre Geschäfte bis Mitternacht und organisierten spannende Workshops. Regnerisches Herbstwetter hielt die Musik-Liebhaber nicht ab: volle Räume bei allen Händlern! Draußen Regen, drinnen gute Laune.

Bei PhonoPhono spielten Analog-Laufwerke, vorgestellt von Matthias Böde und Sinisa Kovacevic. Unsere Röhren-Lounge lud ein zu entspanntem Hören mit EAR Yoshino, Audiomat und weiteren Schmankerln.

Der kleine feine BBC-Monitor Falcon LS3/5a begeisterte an Röhren wie an Transistor, die großen DeVore OrangUtan 96 ebenso wie die Raidho X3 ebneten High-End-Klang den Weg,

Analog-Workshops

Bei PhonoPhono war Matthias Böde und Sinisa Kovacevic zu Gast. Der bekannte Redakteur des Fachmagazins "Stereo" unterhielt in Analog-Workshops die Besucher. Nachmittags verglich Herr Böde fünf High-End MC-Tonabnehmer. Herr Kovacevic vom High-End-Vertrieb Gaudios sorgte für die technische Realisierung dieses Workshops.

Die Tonabnehmer wurden nacheinander in den Plattenspieler Kuzma Stabi Reference eingebaut. Dessen TOnarm Kuzma 4P - einer der weltbesten Tonarme mit 4-Punkt-Lager, Mikrometer-Höhenverstellung und doppelter Öl-Dämpfung - bietet für praktisch jedes Tonabnehmer-System ideale Bedingungen. Die Phonostufe kam von Brinkmann, Line-Vorstufe Sugden LA-4, Mono-Endstufen Sugden MPA-4, Lautsprecher Raidho X3, komplette Verkabelung Ansuz Diamond, Stromfilter Ansuz, Stellfüße Ansuz DarkZ Diamond.

Alle fünf Systeme waren in Tonköpfe des Kuzma 4p-Tonarems eingebaut. Dank der raffinierten Mechanik dieses Tonarmes kann ein System mit wenigen Handgriffen getauscht werden. Tonarmhöhe, Auflagekraft, Azimuth - alles kann schnell nachgestellt werden.

Abends gab es einen spannenden Plattenspieler-Vergleich: Herr Böde spielte einen preiswerten Pro-Ject Debut Carbon, einen Rega Planar 3 und einen Clearaudio mit TT5-Tangential-Tonarm. Die Plattenspieler waren alle an eine Phonostufe von Sudgen angeschlossen: die fantastische Sugden PA-4 bietet drei Eingänge (MM - MC - MC), wobei die beiden MC-Eingänge getrennt beschaltet werden. So konnten alle Plattenspieler angeschlossen bleiben und auf Knopfdruck umgeschaltet werden.

Die Besucher waren sich einig: die technisch orientierten Vorträge von Herrn Böde und Herrn Kovacevic waren überaus spannend, die Technik verständlich erläutert und der Hörvergleich erstaunlich.

Röhrenlounge

In unserer gab es ebenfalls hochkarätige Technik zu hören, aber die Vorführungen waren an der Musik orientiert. Wir spielten in wechselnder Kombination:

Plattenspieler Kuzma Stabi S mit Tonarm Kuzma Stogi S, MC-System Rega Apheta, angeschlossen an die Phonostufe im Vorverstärker EAR Yoshino 868PL. Endstufe war die Röhren-SET EAR Yoshino 861, Verkabelung komplett Cadras Clear Sky (NF, Strom, Lautsprecher).

Eine weitere Anlage bestand aus EAR Yoshino SACD-Spieler und EAR Yoshino DAC4 an dem Vollverstärker EAR Yoshino V12, alternativ am Röhren-Vollverstärker Audiomat Opéra Réference, Verkableung mit Tellurium Stromkabel Blue, NF-Kabel Telluirum Ultra-Black und Lautsprecherkabel Tellurium Black.

Diese Anlagen wurden wechselnd angeschlossen an DeVore OrangUtan 96 Lautsprecher und Falcon LS3/5a.

Wer ein wenig Erfahrung mit HiFi-Anlagen hat, kann sich vorstellen: diese Kombinationen klingen recht unterschiedlich, um einige "Geschmacksrichtungen" aufzuzeigen. Zugleich aber klingen alle Anlagen auch außergewöhnlich gut. Und so war denn auch unser Ziel nicht so sehr, Unterschiede zu demonstrieren. Vielmehr spielten wir Musik. Immer wieder anders, immer spannend.

Die kleine Falcon LS3/5a basiert auf dem legendären BBC-Monitor, überrascht als echter HiFi-Lautsprecher mit einem ungemein feinen, neutralen Klang und einem guten Bass-Fundament.  Die Falcon ist zudem sehr Röhren-freundlich: der Impedanzverlauf ist nicht kritisch und überfordert weder einen SET-Röhrenverstärker oder Class-A-Verstärker mit wenigen Watt noch sperrt sie sich gegen 50 Watt aus einer kräftigen EAR-Endstufe. Natürlich kann ein derart kleiner Lautsprecher keinen Tiefbass erzeugen, aber trotz des großen Hör-Raumes gelang es der kleinen Falcon, manch einen Besucher zu überraschen!

Die große DeVore OrangUtan 96 war da klar im Vorteil: das große Gehäuse und der fette, hart aufgehängte Tieftöner konnten "bis in den Keller" hinab spielen. Der enorme Wirkungsgrad von 96dB machte es den feinen Röhrenverstärkern leicht: sowohl mit der SET-Endstufe EAR 861 wie auch dem Class-A-Verstärker von Audiomat gelang ein wundervoll freies, spektakuläres und lebendiges Klang-Erlebnis. Der Vollverstärker EAR V12 hat mehr Leistung (50 Watt Class-A) - für einen Röhrenverstärker dieser Schaltungstechnik ungewöhnlich üppig - und auch diese Kombination machte riesigen Spaß. Der V12 klang eine Spur schneller und auch minimal heller, Audiomat und EAR 861 etwas subtiler.

Die Musikauswahl deckte ein breites Spektrum ab. Wie es sich für High-End-Anlagen gehört, muss hier alles passen! Neben Jazz (Schallplatten von MPS, SACDs von BlueNote) rockte Herbert Grönemeyer und Golden Earring. Intime Jazz-Balladen von Jacintha, Winter-Musik von Katie Melua, große Klassik mit Mahler- und Bruckner-Sinfonien, Kammermusik von SACD und Violinkonzerte von Beethoven und Mendelssohn. Spleeniger Jazz von Direkt-to-Disc Schallplatten des Emil-Berliner-Studio. Ravel Kammermusik vom Label Acousence.

Es war nicht für jeden etwas dabei - vielmehr spielten wir Musik von Musik-Besessenen für Musik-Liebhaber. Wir spielten Musik, die eben nur über solch großartige HiFi-Anlagen verständlich werden und Spaß machen.  Denn genau das ist High-End: ein Tor zur Musik, ein Werkzeug zum Verstehen der Musik. Wer meint, es ginge auch einfacher und billiger, der irrt.

Hinterlasse eine Antwort