Ein Technikabend am 28. Oktober 2016

Tuning-Tipps gelten als der heilige Gral der HiFi-Szene. Viele haben bereits von magischen Dingen gehört, kaum einer hält solcherlei Voodoo für sinnvoll, dennoch boomt das Geschäft. Glaube oder Physik?

Der Schwerpunkt des Abends: Stromversorgung, Netzkabel und Netz-Filter. Der Abend sollte hörbar machen, welchen Einfluss die Stromzufuhr auf den Klang hat. Dazu hatten wir eine gut klingende Anlage aufgebaut: Sudgen Vollverstärker A21 mit CD-Player Sudgen Fusion, Plattenspieler Kuzma Stabi S mit Tonarm Stogi S, Clearaudio Virtuoso MM-System und EAR Yoshino 834P Deluxe Röhren-Phonostufe, Lautsprecher PMC twenty5 23. Jede Komponente lag bei ca. 3.000€ - eine klassische HiFi-Anlage der Spitzenklasse also.

Wie würde eine solche Anlage reagieren auf Stromkabel, Filter und andere "magische" Zubehör-Teile?

Die Anlage war komplett verkabelt mit Tellurium Black Power Stromkabel, Audioplan Stromverteiler und zwei Ansuz Filter-Plugs. Es wurde im Laufe des Abends an CD-Player und Verstärker demonstriert, wie der Klang sich verändert bei Tauschen der Netzphase sowie Austausch des Tellurium Black Power Netzkabels gegen Standard-Stromkabel. Auch der Stromverteiler inkl. Filter-Plugs wurde durch ein IKEA-Mehrfach-Steckdose getauscht.

Lassen Sie mich hier nur kurz das Ergebnis des Abends zusammenfassen: die Zuhörer waren recht überrascht, dass der Klang tatsächlich hörbar besser wurde, einige erwarben sogleich ein Stromkabel. Im Folgenden möchte ich beschreiben, weshalb die Stromversorgung zu besserem Klang beiträgt.

Sie glauben, nur dieses eine Kabel, nur jenes magische Silber-Töpfchen können den besten Klang wirklich und wahrhaftig hervorbringen? Oder glauben Sie eher das Gegenteil: Tuning sei überflüssiger Unsinn von weltfremden Nerds?

Ich bin da eher der nüchterne Typ. Ich habe Elektrotechnik studiert und glaube an physikalische Zusammenhänge. Ich habe gelernt, dass Strom und Spannung gemeinsam wirken müssen, dass Schwingungen mal gut sind (dann nenne ich sie Musik) und ein andermal schlecht (dann sind es Störungen). Ich weiß um den Unterschied von statischen Vorgängen (also solchen, die sich sich mit der Zeit nicht verändern) und dynamischen Änderungen. Ich weiß auch, dass Klang-Verbesserung immer mit dynamischen Vorgängen zu tun hat und technischen Sachverstand voraussetzen.

Manch ein HiFi-Hörer mag sich auch ohne Fachwissen an eine Klangverbesserung wagen und zufällig eine Verbesserung erzielen. Die Regel bei dieser Vorgehensweise ist jedoch nur eine Klang-Veränderung. Veränderung ist einfach, Verbesserung hingegen harte Arbeit.

Nur Veränderung oder echte Verbesserung?

Musik ist ein akustisches Phänomen, das sich erst im Hör-Erleben des Zuhörer formt.
Eine HiFi-Anlage muss daher - so meine Meinung - dazu dienen, dem Zuhörer ein möglichst ungestörtes Erlebnis der Musik zu ermöglichen. Je besser das Musikhören gelingt, umso besser ist eine HiFi-Anlage.
Wenn es ums "Tuning" geht, dann möchte ich Maßnahmen ergreifen, die eine HiFi-Anlage so verbessert, dass das Musikhören mit diesen Maßnahmen besser gelingt als ohne die Maßnahmen.
Diese eigentlich triviale Vorbemerkung ist mir sehr wichtig! Es geht mir hier nicht darum, den Klang irgendwie zu verändern oder dem Basteltrieb zu frönen. Beim Tuning gilt die Physik dieses Universums, ohne Kenntnis der Physik kein Erfolg.
Moderne HiFi-Anlagen haben einen technischen Stand erreicht, der sehr erfreulich ist. Selbst preiswerte Anlagen klingen gut - auch ohne jede Zusatz-Maßnahme. Mit den richtigen Tricks jedoch verbessert sich der Klang sehr deutlich - und damit der Spaß beim Musikhören.

Die richtige Stromversorgung aus dem 230V-Netz

Wie kann denn die Stromversorgung "richtig" sein? Wie kann die Stromversorgung Einfluss auf den Klang nehmen?
Der Aufbau eines HiFi-Gerätes folgt Notwendigkeiten: es gibt ein Netzteil, elektronische Baugruppen, ein Gehäuse. Das Gerät muss elektrischen Normen genügen, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten und auch andere Geräte nicht zu stören.
Dadurch entstehen kleine, unerwünschte Ströme, die über den Null-Leiter und/oder Schutzleiter fließen- ebenso wie über Erdungsverbindungen und Abschirmungen der NF-Kabel. Diese Ströme stören Verstärker - umso kleiner die zu verstärkenden Spannungen, umso größer der störende Einfluss.
Derartige Störströme stören das Musik-Erlebnis: Der Klang verschmiert. Die Räumlichkeit leidet, die Feindynamik wird schlechter, die Musik klingt weniger lebendig.

Alle Veränderungen an der Stromzuleitung müssen hörbar und erlebbar sein! Eine Verbesserung bedeutet, dass der Klang räumlicher, plastischer und drei-dimensionaler wird. Zudem muss die Dynamik besser werden. Wenn Sie Veränderungen ausprobieren, müssen Sie daher Musik spielen, die von Räumlichkeit, Dynamik und Fein-Auflösung "lebt". Nehmen Sie daher klassische Aufnahmen von Orchestern, Chor-Musik oder Live-Musik (Rock, Jazz, Klassik).
Übrigens: von den Verbesserungen werden Sie auch bei jeder anderen Art von Musik profitieren, aber eher "unterschwellig". Denn jede Art von Musik gewinnt, wenn sie spannender wird!
Eine Reihe von Maßnahmen sorgt für Abhilfe.

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  1. Polen Sie den Netzstecker richtig. "Richtig" bedeutet: das HiFi-Gerät erzeugt eine möglichst kleine Störspannung, oftmals gut messbar durch ein Feld-Messgerät (Supra AC Sensor), denn Störströme erzeugen ein elektrisches Feld. Diese Maßnahme ist entweder gratis (Sie können die korrekte Netzphase auch durch Hör-Versuch ermitteln) oder knapp 30 Euro (Supra AC Sensor).
    Es gehört zur Pflicht (!), ein HiFi-Gerät mit korrekter Netzstecker-Orientierung zu betreiben. Alle weiteren Verbesserungen funktionieren nur dann, wenn der Netzstecker "richtig herum" in der Dose steckt"
  2. Benutzen Sie spezielle Netzkabel, die einerseits geringe Störströme zulassen und zudem bestehende Störströme gut wegleiten. Solche Kabel haben neben einem speziellen Kabel-Aufbau auch gute Netzstecker mit flächigen Kontakten. Derartige Kabel gibt es von Audioplan, Supra Cable, Tellurium, Transparent Cable, Cardas und Kondo. Gute Netzkabel gibt es ab ca. 100Euro, ab ca. 300Euro ist der Klang-Gewinn für jeden Laien deutlich hörbar. Derartige Netzkabel verbessern den Klang mehr, als wenn Sie das Geld in ein besseres HiFi-Gerät investieren würden!
    Die meisten HiFi-Hörer glauben, das Netzkabel hat keinen Einfluss auf den Klang. Daher testen sie oftmals nur an einem oder zwei Geräten ihrer HiFi-Anlage ein gutes Netzkabel. Tipp: beginnen Sie bei Geräten mit den kleinsten Signal, also Plattenspieler und Phono-Vorverstärker, danach weitere Quell-Geräte (Digital-Player, DACs etc.), dann Vorverstärker, am Schluss Endstufen.
  3. Benutzen Sie gute Mehrfach-Steckdosen. Empfehlenswerte Hersteller: Audioplan, Supra (auch mit eingebautem Blitzschutz erhältlich). Sie betreiben eine richtig gute High-End-Anlage: dann nehmen Sie Vibex.
  4. Benutzen Sie spezielle Geräte, die die Spannungsversorgung symmetrieren und Gleichspannungs-Anteile eliminieren. Das gibt es bei recht preiswert von Supra. Für richtig tolle Anlagen sollten Sie zu Vibex greifen. Solche Geräte kosten zwar richtig Geld, sind aber für Anlagen der Spitzenklasse und High-End absolute Pflicht. Sie sind erheblich billiger als eine Klangverbessung durch bessere HiFi-Geräte.

Tipp: wenn Sie gute Netzkabel daheim an Ihrer Anlage ausprobieren, dann lassen Sie sich Zeit. Lassen Sie das bzw. die guten Kabel einfach einige Tage in Ihrer Anlage und hören Sie ganz normal und entspannt Musik. Nach einigen Tagen nehmen Sie die Kabel wieder weg und horchen: klingt ihre Anlage nun immer noch so gut wie mit den Netzkabel(n)? Vermutlich nicht!
Merke: Ihr Gehör wird umso besser, je besser die Wiedergabe-Qualität. Kein Wunder also, dass Sie Ihr Gehör erst ein wenig trainieren müssen. Hören ist ein Kunst, die erlernt werden will...

Netzfilter

Ebenso störend sind alle Spannungen und Ströme, die nicht 230V und 50Hz haben. Solche Spannungen und Ströme wird man daher filtern. Das Netzfilter muss jedoch die gewünschten 230V und 50Hz sowie den Stromfluss nicht stören.
Maßnahmen dagegen:

  1. Netzfilter in Reihe zum HiFi-Gerät filtern den Strom, z.B. Audioplan FineFilter. Diese Filter sind ideal für alle Geräte, die unabhängig von der Lautstärke einen konstanten Strom beziehen, also Plattenspieler, CD-Spieler, Digitalwandler. Stromfilter eignen sich nicht für Verstärker, denn ein Verstärker braucht schnell viel mehr Strom bei lauten Passagen und viel weniger Strom bei leisen Musik-Stellen - die Strom-Änderungen werden aber durch ein Stromfilter gebremst, die Dynamik der Verstärker leidet. Das ist kein Manko, sondern einfach nur Physik. Daher noch einmal: verwenden Sie ein Stromfilter nur vor Plattenspielern, Digital-Playern u.ä. Gute Strom-Filter kosten einige hundert Euro.
  2. Netzfilter parallel zum HiFi-Gerät filtern die Spannung. Solche Filter sind effektiver, aber auch teurer. Beste Ergebnisse bieten Spannungsfilter von Ansuz und Vibex, die gibt es als Einzelfilter oder eingebaut in einer Steckdosenleiste Gute Spannungsfilter kosten viele hundert Euro, eher tausend Euro und mehr.

Netzteile

Einen Schritt weiter können Sie gehen mit speziellen Netzteilen. Für manch ein Gerät bietet der Hersteller oder ein Spezial-Anbieter Netzteile an, die ein bestehendes Netzteil ersetzen. So gibt es beispielsweise für viele Plattenspieler die Möglichkeit, eine Steuer-Elektronik für den Antriebsmotor nachzurüsten. Der Motor wird dann genauer angesteuert und läuft ruhig, kann kleine Schwankungen auch viel besser nachführen. Der Klang wirkt kräftiger, souveräner und der Bass wirkt solider und präziser. Derartige Netzteile kosten ab ca. 300Euro, können aber auch mehrere tausend Euro kosten. Der Klanggewinn ist erheblich höher zu gewichten, als wenn Sie das Geld in einen besseren Plattenspieler investieren - mithin also sehr empfehlenswert!

Beispiele für Hersteller-Netzteile: Rega, Kuzma, Transrotor, Brinkmann
Nachrüstung mittels Heed Orbit Spezial-Netzeil auch für viele andere und ältere Plattenspieler

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Auch für HiFi-Geräte gibt es - oftmals als Upgrade-Option - verbesserte Netzteile. So bietet Graham Slee ein exzellentes Netzteil PSU1 an, das allen seinen Verstärkern zu besserem Klang verhilft und bei den Top-Modellen immer Standard ist.

Zum Abschluss eine Warnung. Achtung: hierbei geht es nicht um Eingriffe am Netzteil im Gerät selbst. Verändern Sie niemals Bauteile im Inneren Ihres Gerätes! Beachten Sie unbedingt, dass im Inneren Ihres Gerätes hohe Spannungen vorkommen, die lebensgefährlich sein können. Schrauben Sie niemals (NIEMALS!) Ihr Gerät auf, um dort eigenhändig Modifikationen vorzunehmen.  Wenn Sie Ihr Gerät dennoch öffnen, ziehen Sie vorher immer und unbedingt den Netzstecker! Immer!
Ebenso verboten sind jegliche Änderungen im Sicherungskasten und Haus-Verteiler! Ersetzen Sie niemals Haus-Sicherungen durch "klangverbessernde" Bauteile; falls Sie derlei dennoch tun, achten Sie unbedingt und immer (IMMER!) darauf, dass solche Bauteile allgemeinen Normen entsprechen! Andernfalls bringen Sie sich und Ihre Mitbewohner in Lebensgefahr!