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Schellack-Schallplatten abspielen

Viele Musik-Liebhaber und Sammler besitzen Schellack-Schallplatten. Diese Schallplatten wurden in den Jahren vor ca. 1950 produziert. Das Material der Schallplatte ist nicht Vinyl - wie heute üblich, sondern Schellack.

Zum Abspielen von Schellack-Schallplatten braucht man zunächst einen Plattenspieler mit 78 Umdrehungen. Denn Schellackplatten drehen sich viel schneller als normale Vinyl-LPs. Wenn also ihr Plattenspieler diese Geschwindigkeit bietet, haben sie bereits gute Voraussetzungen für ihr Schellack-Hobby geschaffen.

So weit ist den meisten Sammlern die Technik bekannt. Aber wie kommt es, dass Schellack-Platten nicht gut klingen? Wieso kratzt Schellack, klirrt und rauscht es?

Tatsächlich kann Schellack sehr gut klingen, wenn man ein wenig über die Besonderheiten Bescheid weiß. Wir zeigen Ihnen, wie Sie einen modernen Plattenspieler fit für Schellack machen.

Schellack ist ebenfalls schwarz, aber schwerer als Vinyl und leicht zerbrechlich. Schellack ist überdies körniger als Vinyl und kann daher hohe Frequenzen nicht gut wiedergeben; Schellack "rauscht".

Die Technik der Schallplatten-Gründerzeit steckte noch in den Kinderschuhen. Anfangs benutzte man Stahlnadeln zum Abspielen, später dann Saphire und Diamanten.

Die Rillen einer Schellack-Schallplatte ist viel breiter und tiefer als bei einer Vinyl-Platte. Wenn man eine Schellackplatte mit einer "normalen" Nadel für Vinyl-Schallplatten abspielt, dann rutscht die Nadel ganz tief in die Schellack-Rille und kratzt auf dem Rillen-Boden. Das verursacht stark störenden Störgeräusche. Außerdem ist auf dem Rillen-Boden keine Musik mehr gespeichert, daher klingt die Musik recht leise. Man muss deshalb spezielle Schellack-Diamanten benutzen, wenn man Schellack-Schallplatten abspielt. Diese Schellack-Diamanten sind sehr viel dicker. Technisch: ein Schellack-Diamant hat eine Verrundung von 65µm - wogegen ein Diamant für Vinyl-Platten 17µm hat (manche bis zu 25µm).

Für manch einen Tonabnehmer mit austauschbarer Nadel gibt es deshalb Nadel-Einschübe mit Schellacknadel. Da kann man dann einfach die "Vinyl"-Nadel gegen die "Schellack"-Nadel austauschen.

Beispielsweise gibt es das beliebte System Audio Technica AT95E im Set mit zwei Nadeln: eine für Vinyl, eine für Schellack.

Natürlich kann man eine Schellack-Ersatznadel auch jederzeit einzeln kaufen:

Ähnliches gilt für Audio Technica AT91, Ortofon OM 10.

Alle bisher genannten Tonabnehmer sind als Stereo-Systeme aufgebaut. Schellackplatten sind jedoch Mono und werden über einen Stereo-Abtaster auch in Mono wiedergegeben. Allerdings kommt es zu geringen Klang- und Lautstärke-Verschiebungen der beiden Kanäle. Wer den Schellack-Klang weiter verbessern möchte, benutzt einen Tonabnehmer, der neben einem dicken Diamanten einen Mono-Aufbau bietet.

So bietet zum Beispiel Ortofon aus der berühmten 2M-Serie ein Mono-System 2M78 an. (Übrigens kann man die 2M78-Nadel auch in ein Stereo-2M-System einsetzen, wenn man kein spezielles Schellack-System kaufen möchte).

Weitere Schellack-Systeme mit Mono-Aufbau:

Eine entscheidende Rolle spielt auch die korrekte Entzerrung bei der Wiedergabe von Schellack-Schallplatten. Unter "Entzerrung" versteht man die Korrekt der Frequenz, also der hohen, mittleren und tiefen Töne. Denn damit man auf eine Schallplatte möglichst viel Musik aufnehmen kann, senkt man die tiefen Töne beim Aufnehmen ab. Tiefe Töne würden andernfalls viel Platz in der Rille beanspruchen.
Um das Rauschen möglichst klein zu halten, nimmt man die hohen Töne viel lauter auf.
Beides muss beim Abspielen rückgängig gemacht werden. Moderne Schallplatten tun dies gemäß einer genormten RIAA-Kennlinie. Bei alten Schellackplatten jedoch gab es noch keine Norm. Jeder Tonstudio, manchmal sogar jeder Ton-Ingenieur hatte seine eigene Kennlinie. Damit man beim Abspielen  von Schellack-Schallplatten einen möglichst guten Klang bekommt, verwendet der Sammler daher spezielle Phono-Vorverstärker mit umschaltbarer Kennlinie.

Das beliebteste Gerät ist der Graham Slee Jazz Club - sehr flexibel und zugleich auch mit enorm gutem Klang bei modernen Stereo-Vinylscheiben!

Sie werden es hören: wenn man ein wenig über die damalige Technik weiß und seinen Plattenspieler geschickt anpasst, dann steht dem Hör-Vergnügen nichts mehr im Weg.

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