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Technikabend: High-End Plattenspieler

phonophono-technikabend-2015-03-09-2PhonoPhono Technikabend am 6. März 2015

Ein Abend mit dem Thema „High End“ ist immer eine kleine Herausforderung. Welche Geräte soll man nehmen? Die teuersten und Allerbesten? Wie kombinieren? Welche Kabel?

An diesem Abend sollte es nicht die extreme Oberklasse sein, sondern im Gegenteil wollte ich Geräte kombinieren, die alle high-endigen Tugenden weitgehend abdecken, aber gerade noch im erreichbaren Preisbereich angesiedelt sind. Anders formuliert: wie weit darf ich Geräteseitig abspecken, damit die Anlage high-endig spielt?

phonophono-technikabend-2015-03-09-4 Nottingham Envogue Astra

Als Plattenspieler entschied ich mich für den Nottingham Envogue Astra, ein Masselaufwerk mit Nottingham-Tonarm – ohne Laufwerk-Steuerung für ca. 6.500€. Im Tonarm war das MC-System Clearaudio Stradivari eingebaut (Preis ca. 3.000€). Damit streift das Laufwerk zwar die 10.000€-Marke, ist aber deutlich preiswerter als unsere Allzeit-Champions (Brinkmann-Laufwerke, die an diesem Abend nicht spielten).

phonophono-technikabend-2015-03-09-5 Rega RP10 mit MC-System Rega Apheta2

Da wir wenige Tage zuvor einen neuen Rega RP10 mit Rega Apheta2-MC-System bekommen hatten, entschied ich mich, auch den Rega für diesen Abend zu nehmen. (Anmerkung: ich nutze die Technikabende auch, um meine eigenen (Vor-?) Urteile zu überprüfen – wie ginge das besser als mit interessierten Zuhörern?)

Als Verstärker wählte ich einen Röhrenverstärker von Audiomat: der Class-A-Verstärker Audiomat Aria ist für einen solchen Abend geradezu ideal! Der Audimat Aria ist der beste Röhrenverstärker, den ich kenne. (Ja – solche Geräte gibt es!) Es mag einige wenige noch bessere Geräte geben, die kosten dann aber weit über 10.000€. Der Aria hingegen bietet für „nur“ knapp 5.000€ absolutes High-End. Ein echtes Schnäppchen! Der Audiomat Aria schafft knapp über 20 Watt im Class-A-Betrieb und hat noch etwas Reserve (dann A/B-Betrieb) und erlaubt daher die Kombi mit einer großen Auswahl an Lautsprechern. Röhrentypisch: man muss ausprophonophono-technikabend-2015-03-09-1bieren, ob der Lautsprecher auch tatsächlich gut spielt an der Aria. Also kurz überlegt: nehme ich eine Avalon Idea oder eine Marten Miles – beide laufen unglaublich gut mit dem Audiomat – oder soll ich mal die neue Ultra-Referenz von Raidho D1 probieren? Würde eine solch anspruchsvolle Kompakt-Box an dem Audiomat spielen? Ausprobiert – und siehe da: Luft, Raum, tiefer Bass, Klangfarben, Dynamik (grob, mittel, fein) – alles passt. Sogar eine kleine Bass-Resonanz des Hörraumes wurde angeregt – ein gutes Zeichen, bedeutete es doch, dass die recht geringe Leistung des Audiomat vollauf reichte. (Anmerkung: die kleine Raidho D1 hat einen derart überragenden Bass-Treiber, dass sie „gerne“ die Resonanzen unseres Hörraum mit seinem schwingenden Holz-Fussboden und -Decke anregt. Dank Bass-Ecken-Absorber und schweren Schieferplatten unter den Raidhos können wir die Resonanzen aber recht gut bändigen.) Also fiel die Wahl auf die Raidho D1!

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Verkabelung komplett von Transparent: Stromversorgung gefiltert mit Transparent PowerIsolator Reference, Stromkabel, NF-Kabel und Lautsprecherkabel (insgesamt unverzichtbare 10.000€ investiert).

Phonostufe: eine Nagra BPS – das Beste für gerade mal 2.000€, zumal die BPS dank Batterie-Stromversorgung kein weiteres Netzkabel benötigt. Die Nagra BPS haben wir mit dem Nottingham und dem Rega genutzt - MC-Einstellung mit internem Übertrager, Abschluß ca. 150Ohm, potentialfreier Eingang Cinch).

Ich wollte den Besuchern gerne den Vergleich ermöglichen mit einem deutlich preiswerten Plattenspieler. Denn eine wirklich gute High-End-Anlage spielt so unauffällig und schwerelos, dass man meint: so muss es halt sein! Viele unerfahrene Hörer meinen dann, dass jede HiFi-Anlage so klingen würde. Dabei spielt uns unser Gehör aber einen Streich: es stellt sich schnell auf gute Qualität ein. Dagegen hilft nur eines: hören und vergleichen.

Nun fehlte in der Vorführ-Anlage nur noch eines: ein herausragend guter Plattenspieler der „bürgerlichen“ Preisklasse. Keine Frage, das kann nur ein Rega sein. Daher baute ich noch einen Rega RP3 mit Clearaudio MM-System Performer V2 (Preis ca. 1.000€) und einer Phonostufe Lehmann BlackCube SE2 dazu (Stromversorgung über Audioplan Netzfilter).

Kurzer Hörtest: die neue Leonard Cohen LP klang spannend – und man konnte den aufgeplusterten Bass des Sängers schön heraushören. Gegenprobe mit einer alten Cat-Stevens-Scheibe: hier stimmte alles – tonale Balance, feine Gitarre mit Hintergrund-Sängern, Schlagzeug. Richard Strauss' „Ein Heldenleben“ mit Karajan strahlte in leuchtenden Klangfarben und riesigem Raum, jedes Instrument locker und luftig, schön herauszuhören – opulenter Karajan-Klang!

Diese Anlage konnte fast alles – für einen gar nicht high-endigen Preis! Sie finden, die Preise der Geräte sind hoch? Nun – das kommt auf die Perspektive an... Natürlich kann man einen Verstärker mit 30Watt Leistung auch schon für 30€ bei ebay kaufen. Der klingt dann aber so schlecht, dass selbst die 30€ zuviel sind. Die 5.000€ für einen Audiomat hingegen werden Sie niemals bereuen! Denn solch ein Gerät verschönert Ihr Leben – mehr noch: solch ein Verstärker kann (und wird) Ihr Leben verändern! Sie werden Musik hören wie noch niemals zuvor!

Aber zurück zu dem Technikabend...

Nach kurzer Einführung hörten wir zwei Stücke mit dem Rega RP10 – unser audiophiles Warm-Hören. Schließlich braucht man einige Zeit, um sich mit einer Anlage vertraut zu machen.

Dann ging es weiter mit Vergleichs-Hören: der Rega RP10 gegen den Nottingham Astra, gelegentlich spielten wir auch den Rega RP3. Musikalisch war vieles vertreten: Leonhard Cohen, Cat Stevens und Diana Krall „Live in Paris“, eine 70er-Jahre-Jazz-Scheibe (Duke Ellington – Billy Strayhorn), eine aktuelle LP mit dem fantastischen Pianisten Grigory Sokolov „The Salzburg Recital“ (u.a. Chopin), Richard Strauss „Ein Heldenleben“.

Was auch immer auf dem Plattenteller lag: der Nottingham spielt ganz eindeutig am besten! Zusammen mit dem Clearaudio Stradivari klangen alte Aufnahmen ebenso spannend wie ganz aktuelle Einspielungen. Man konnte – neben all den technischen Aspekten – vor allem sehr schön Stimmungen hören! Wie fühlten sich die Musiker? Knisterte es (nicht wegen verstaubter Rillen, sondern vor Spannung!)? Man konnte sogar den Aufnahme-Raum „sehen“!

Der Rega RP10 schlug sich tapfer, kostete er doch nur Zwei-Drittel des Nottingham. Er konnte erstaunliches leisten: musikalischer Fluß und extrem stabiles Klangbild auch in schwierigen Passagen waren exzellent! Angesichts des Preises muss man den Rega-Leuten ein dickes Lob aussprechen: der Rega RP10 ist richtig richtig gut!

Und der „kleine“ Rega RP3? Der hatte es schwer. Gegenüber dem 10-fach teureren Nottingham-Gespann fehlte dem RP3 Raum, Abbildungstiefe (nicht nur räumlich, sondern inhaltlich). Die Musik klang vergleichsweise klein, flach und mit wenig Nuancen. Selbst für mich war der riesige Unterschied erstaunlich – ist der RP3 doch in seiner Preisklasse ganz eindeutiger Sieger!

Es zeigt sich an einem solchen Abend: das Gehör ist schnell von guter Qualität zu überzeugen und lernt blitz-schnell! Wenige Minuten mit einem richtigen High-End-Gerät reichen aus, um sich „frei“ zu hören. Anschließend empfindet man preiswerte HiFi-Systeme als unzureichend. Daher: hören Sie sich High-End nur dann an, wenn Sie sich eine solche Anlage auch wirklich gönnen möchten (bzw. können).

Fazit: High-End ist nicht beim Discounter zu bekommen und erfordert sorgfältige Abstimmung aller Einzelgeräte. High-End macht glücklich!

Kommentare der Zuhörer nach dem Abend gingen weitgehend in die gleiche Richtung: tolle Anlage, Erstaunen wegen der kleinen Lautsprecher („Wo ist denn der Subwoofer? Nirgends!“ „Die klingen ja noch besser als meine … zu Hause!“), Freude und Begeisterung über den insgesamt wundervollen Klang und die schönen Aufnahmen. Ein Hörer beklagte den „zu neutralen Klang“ - ein Anliegen, das sich aus meiner Sicht nicht mit High-End in Einklang bringen lässt. Denn eine wirklich gute Anlage soll gerade nicht klingen – also einen eigenen Klang mitbringen, sondern den Klang der Musiker und Tontechniker wiedergeben.

Weitgehend einig waren sich alle Besucher: ihre Gesichter zeigten ein Lächeln!

Fragen der Besucher

# Was könnte man in dieser Anlage noch besser machen?
Nun: man könnte den Nottingham auf Stillpoint-Füße stellen, dann würde er erheblich genauer allerkleinste Details ausloten. Kosten ca. 1.000€.
Alternativ könnte man anstelle des Nottingham einen Brinkmann Laufwerk nehmen – das würde dann weitere 5.000€ bis 20.000€ kosten.
Eine bessere Phonostufe? Geht: z.B. eine Whest Reference (kostet 3.000€) oder eine Nagra VPS (ab ca. 5.000€).
Ein besserer Verstärker würde zusätzliche 5.000€ (Jeff Rowland Carpi + 525) und darüber kosten.
Bessere Lautsprecher? Da wird es schwierig... Für größere Räume könnte man eine Raidho D2 oder D3 nehmen (Mehrkosten 10.000€ - 20.000€), alternativ eine Avalon oder eine Marten. Diese Alternativen würden anders klingen, aber kaum besser...

# Was hätte man mit noch besseren Komponenten zusätzlich gehört?
Der Bass wäre einen Hauch straffer geworden, man hätte bei sehr großer Lautstärke bzw. größerem Raum auch in extrem lauten Passagen keine Spur von Schwäche gehört (was im Hör-Alltag jedoch kaum vorkommt). Am ehesten würde man die Klang-Gewinn der Stillpoints hören (die Füße unter dem Plattenspieler): Instrumente klingen noch schöner aus, Anschläge wirken noch natürlicher, luftiger und schneller. (Dieser Effekt ist unter anderem Thema eines anderen Technikabends, der sich mit Upgrade-Möglichkeiten von HiFi-Anlagen beschäftigt).

# Würde der Rega RP10 mit einem Clearaudio Stradivari besser klingen?
Vermutlich ja – aber ein Stradivari verlangt nach einer stufenlosen Höhen-Verstellung des Tonarmes, um eine klang-ideale Justage zu erreichen. Der Rega RP10 bietet das nicht. Daher würde ich das Apheta2 einbauen – dieses MC-System klingt ja auch exzellent gut und kostet „nur“ die Hälfte des Clearaudio Stradivaris.

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