☎ Beratung 030 797 418 35

Technikabend: CD-Player Vergleich 20.3.2015

Vor vielen Jahren, als ich meinen ersten CD-Spieler kaufte (ein Technics), galt alles Digitale als modern und fortschrittlich. Ich erinnere mich noch deutlich an einen Testbericht in der "Stiftung Warentest", die zu dem Ergebnis kam: alle CD-Spieler klingen gleich, da die digitalen Nullen und Einsen keinen Unterschied ermöglichen würden.

Seitdem sind einige Jahrzehnte vergangen. Die CD gilt als Auslaufmodell - wie vor einigen Jahren die Schallplatte. Ironischerweise gilt für aktuelle CD-Spieler wie vor einigen Jahren für Plattenspieler: ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo die sogenannte Fachpresse das Totenglöcklein der jeweiligen Gerätegattung läutet, stellen engagierte Hersteller die besten Geräte vor, die es jemals gab. Insofern würde mich nicht wundern, wenn der CD das gleiche Schicksal bevorsteht wie der Schallplatte: eine Renaissance unter begeisterten Musikhörern.

Wie gut klingen nun also moderne CD-Player? Ein Vergleichshören dürfte schnell klären, ob eine CD gut klingen kann. Hört man Unterschiede? Wenn ja: welche? Wie viel Geld muss man wohl ausgeben, um beim CD-Hören auch Spaß zu haben?

Unsere Testgeräte bieten einen Überblick über die derzeit besten CD-Player der jeweiligen Preisklasse:

# NAD C516BEE (ca. 350€)
# NAD C546BEE (ca. 550€)
# Rega Apollo R (ca. 800€)
# Rega Saturn R (ca. 2.300€)
# dCS Puccini (ca. 17.000€)

Abhör-Anlage: Verstärker Pathos Classic One (ca. 2.200€), Lautsprecher PMC twenty 26 mit Tri-Wiring-Verschaltung über Tellurium-Brücken und Tellurium Silver Lautsprecher-Kabel, Telluirum Stromkabel, Isotek Stromfilter.
Alle CD-Player sind über Transparent- oder Tellurium NF-Kabel angeschlossen, Stromkabel Transparent PowerLink (Rega und dCS).

Zum Warm-Hören erfreuten wir uns an einigen CDs, die über den Rega Saturn R gespielt wurden.

Dann ging es los: wir hörten die Musik erst über einen, dann einen Vergleichs-Player mit jeweils ca. 2 Minuten Dauer. So kann sich unser Gehör an kleine klangliche Unterschiede einstellen (die nichts mit Qualität zu tun haben müssen). Musikalisch ging es "quer durch den Gemüsegarten": Jazz, Rock/Pop und Klassik ermöglichten eine klangliche Beurteilung für alle Besucher.

Zunächst Rega Saturn R gegen Rega Apollo R. Beide Geräte  konnten überzeugen, der teure Saturn R klang offener und räumlicher. Man konnte die Familien-Zugehörigkeit gut erkennen. Dann Rega Saturn R gegen NAD C516BEE - immerhin ein Preisunterschied von knapp 2.000€. Und der klangliche Abstand war überdeutlich hörbar: der kleine NAD tat sich schwer mit jedweder Musik - der Rega spielte erheblich freier, flüssiger und spannender. Auch der größere NAD C546BEE konnte den Rega Saturn R nicht in Bedrängnis bringen.

Erstaunlich war nicht so sehr, dass die preiswerten Geräte nicht die Klangqualität der teureren Rega-Player erreichten. Überraschend war der große Abstand! Spielten die NAD-Player passabel und angenehm, so gewann jede CD in den Rega-Geräten an Spannung. Es war nicht irgendein kaum fassbarer audiophiler Aspekt, der die Gerät unterschied. Im Gegenteil: man tat sich schwer, mit Worten zu benennen, wo der Unterschied lag. Aber es war sofort und unmissverständlich klar: die Rega-Player machten viel mehr Spaß!

Nach etwa einer Stunde Hörspaß mit den CD-Player der "bürgerlichen" Preisklasse sollte nun der High-End-Player zeigen, was man mit Geld anstellen kann. Kurz gesagt: der Vergleich war ein Desaster! Für alle preiswerten Geräte... Der Puccini machte aus eine guten CD ein Erlebnis! Und mit SACDs legt er dann nochmals eine Schippe daruf! Unglaublich, wie gut die Anlage plötzlich klang. Besucher-Kommentare: "Das ist ja eine ganz andere CD im Puccini!", "Unglaublich! Das hätte ich nicht gedacht.", "Wow!"...

Geradezu unmoralisch, ganz sicher aber nicht sozial: der teure dCS Puccini hob das Niveau der gesamten Anlage um mehrere Qualitäts-Stufen! Erstaunlich, wie viel besser der (im Vergleich zum Puccini geradezu billige) Vollverstärker Pathos Classic One plötzlich klang! Auch die Lautsprecher: üppige Klangfarben, feine Dynamik, fetter Bass, große Bühne - einfach nur super-gut!
Kaum überraschend: exzellent aufgenommene CD/SACDs klangen naturgemäß über den Puccini großartig. Erstaunlich war, dass "normal gute" Aufnahmen von dem Super-Player noch viel mehr profitierten. Dieser erfreuliche Aspekt ist für den Hör-Alltag viel wichtiger, denn ein dCS Puccini macht aus der heimischen CD-Sammlung ein audiophiles Paradies. Anders formuliert: ein hervorragender CD/SACD-Player zeigt seine Stärken gerade im alltäglichen Hören - eine Bereicherung für jeden Tag des Lebens!

Fazit:
(1) es gibt große Klang-Unterschiede zwischen CD-Spielern, die jeder Laie hört
(2) es gibt einige (wenige) Firmen, die ihre CD-Player zu echten Klang-Maschinen entwickelt haben
(3) CD klingt gut, SACD klingt (viel viel) besser - falls man einen dCS Digital-Player benutzt
(4) ein Digital-Player sollte ein Mehrfaches des Verstärkers kosten (auch ein Mehrfaches der Lautsprecher)
(5) CDs machen großen Spaß, auch wenn sie nicht perfektes High-End bieten

Anmerkung: eine SACD bietet wegen eines speziellen Aufnahme-Formates (DSD) eine höhere digitale Aufnahmequalität. Um eine SACD abzuspielen, muss das Abspielgerät spezielle Elektronik und einen besonderes Laufwerk besitzen. Neben diesen - eher theoretischen - Aspekten muss ein SACD-Player auch einen hochwertigen Digital-Wandler und ebenso hochwertige analoge Ausgangsstufen haben. Das führt dazu, dass gut SACD-Player nicht unter ca. 3.000€ zu bekommen sind. Billigere SACD-Player erfüllen zwar technische Voraussetzungen, klingen aber nicht besser als ein gleich teurer CD-Player. Im Gegenteil! Häufig klingen Billig-SACD-Player schlechter als vergleichbare reine CD-Player, da für CD und SACD doppelter Aufwand nötig ist - da ist es besser, sich auf CD zu konzentrieren. (Lieber eines richtig als beides falsch...)
Aktuell werden SACDs vor allem für Klassik-Musik und Re-Issues von legendären älteren Rock-, Pop- und Jazz-Einspielungen angeboten.

Anmerkung 2: am besten klingt ein CD- bzw. SACD-Spieler, wenn er auf dem Qualitätsniveau der übrigen Anlage ist. Ein preiswerter NAD C516BEE klingt zusammen mit einem preiswerten Verstärker (z.B. NAD C316BEE) ausgezeichnet.  Wenn man ihn hingegen in einer Anlage wie an diesem Technikabend spielt, zeigt die Anlage die Schwächen des NAD überdeutlich.
Machen Sie also nicht den Fehler und sparen Sie an der falschen Stelle! Bedenken Sie: ein CD-Player sollte das teuerste Einzelteil Ihrer HiFi-Anlage sein, denn seine Technik ist am aufwendigsten und gegen Fehler am empfindlichsten! In Praxis hat sich diese Daumenregel bewährt: ein CD-Player sollte 3-5mal so teuer sein wie Ihr Verstärker, es darf auch etwas mehr sein... Diese Regel gilt nur, wenn der CD-Player wirklich gut ist (also nicht älter als 10 Jahre und von einem ernsthaft guten Hersteller). Alte CD-Player (älter als 10 Jahre) haben in einer modernen Anlage nichts zu suchen. Es sei denn, Sie hören nur sehr sehr selten CDs und besitzen ansonsten einen tollen Plattenspieler.

Anmerkung 3: aktuelle Streamer können hinsichtlich des Klangs bei Weitem (!) nicht mit guten CD-/SACD-Playern mithalten (vergleichbares Preisniveau vorausgesetzt).
Falls Sie gerne Musik hören, die digital aufgenommen wurde, jedoch keine SiIberscheiben in Ihrem Wohnraum dulden, dann sollten Sie einen guten Computer mit audiophilem Digital-Wandler benutzen. Diese Lösung macht beim Installieren ein klein wenig Arbeit, entschädigt aber durch hervorragenden Klang! Digital-Audio-Systeme sind Thema anderer Technikabende.

Hinterlasse eine Antwort