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Technikabend: High-End-Plattenspieler Brinkmann Bardo

technikabend_2014_06_06_1_500pxSobald der Begriff "High-End" im HiFi-Kontext erscheint, kommt es zu reflexartiger Reaktion. Die "Ungläubigen" sehen in einem "High-Ender" einen kauzigen Spinner, der sinnlose und teure Technik vergöttert, ohne zu erkennen, welchem Irrtum er erliegt in seiner Annahme, Musik klinge mit derartigem Gerät besser. Entsprechend sieht der Audiophile seine Leidenschaft aus einer Verteidigungshaltung heraus: er ist unverstanden, seine Umwelt nicht in der Lage, den wahren Wert seiner Leidenschaft zu teilen.

Ein Technikabend, der im Titel "High-End" trägt, will naturgemäß die Qualität der Technik aufzeigen. Dies gerät jedoch mitunter zur Unmöglichkeit, denn "High-End" setzt beim Zuhörer fachkundiges Hörvermögen voraus. "High-End" ist Hör-Sport auf Weltmeister-Niveau. Bei Sport käme niemand auf die Idee, ein Blick auf ein Laufschuh reiche aus, um olympisches Gold im Laufsport zu gewinnen. Bei HiFi-Technik hingegen sieht der Hör-Laie nur schwerlich ein, dass auch das Hören eine Tätigkeit ist, die es zu erlernen gilt.

technikabend_2014_06_06_3_500pxEin zweistündiger Technikabend kann keine mehrjährige Hörerfahrung vermitteln. Dennoch erscheint es mir als spannende Herausforderung, High-End Audio (auch) für Hör-Laien erfahrbar zu machen.

  • # Verstärker und Lautsprecher müssen Weltklasse sein, klanglich harmonieren, eingespielt sein, auf Betriebstemperatur arbeiten. Die "Umgebung" (Signalkabel, Stromversorgung, Aufstellung) muss sorgfältig optimiert sein.
  • # der High-End-Plattenspieler - der Star des Abends - muss von ausgesucht guter Qualität sein. Das Gerät muss durch einen Tonabnehmer, Kabel, Stellfläche und Stromversorgung optimal spielen.
  • # ein Vergleichs-Plattenspieler von ebenso ausgesuchter Qualität, jedoch "nur" aus dem Spitzenklasse-Segment spielt im Vergleich.
  • # idealerweise steht ein Digital-Player bereit, der hochauflösende Daten spielen kann und dem Klang-Niveau des High-End-Plattenspielers entspricht
  • # Musikbeispiele sind geeignet, die Qualität zu beleuchten

Verstärker & Lautsprecher
Vorverstärker: Jeff Rowland Corus
Endstufe: Jeff Rowland 625
Lautsprecher: Avalon Indra
Verkabelung NF/Lautsprecher/Strom: Transparent Reference-Serie
Stromfilter: Transparent
Stellflächen: Schiefer mit Bedämpfung, Stillpoint-Füße unter Lautsprechern

High-End Plattenspieler
Brinkmann Bardo (Direktantrieb) mit Tonarm Brinkmann 10.5 und Röhren-Netzteil Brinkmann RöNt
Koetsu Black (MC-Tonabnehmer)
Cardas Clear (Phono-NF-Kabel)
Whest Three (Phono-Vorverstärker)
NF-Kabel (Phonostufe zu Vorverstärker) & Stromkabel Transparent Reference-Serie
Stellfläche Schiefer bedämpft

Vergleichsplattenspieler
Rega RP8
Clearaudio Talisman (MC-Tonabnehmer)
Nagra BPS (Phono-Vorverstärker)
NF-Kabel (Phonostufe zu Vorverstärker) Transparent Reference-Serie
Stromfilter Audioplan
Stellfläche Schiefer bedämpft

Digitalplayer
dSC Puccini mit dCS Clock
Computer Apple MacBook
Digital-Kabel (USB, Clock-Taktung, Digitalsignal) Transparent Reference Serie
Stromversorgung: Transparent Reference Netzkabel mit Transparent Netzfilter
NF-Kabel Transparent Reference Serie
Stellfläche Schiefer bedämpft

technikabend_2014_06_06_2_500pxDas Hören
Zum musikalischen Aufwärmen begannen wir mit Sophie Hunger (LP "Monday's Ghost) auf dem Brinkmann Bardo. Erster Eindruck: klingt gut.
al-di-meolaNun "Friday Night at San Francisco" - eine bekannte Live-Aufnahme des Gitarren-Trios Al di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucia. Zunächst LP auf Brinkmann, dann DSD vom dCS Puccini: beides klang exzellent, kein klarer "Gewinner". tacet-die-roehreDann ein kurzes Stück aus der Tacet-Aufnahme "Die Röhre" (Biber - Battalia à 10), zunächst von LP (Brinkmann), dann SACD über dCS Puccini. Klarer Gewinner war die LP. Anschließend ein wenig Richard Strauss - "Rosenkavalier" von 1957 mit Karajan und Sängern wie Elisabeht Schwarzkopf, Christa Ludwig, Teresa Sticjh-Randall. Die Aufnahme hörten wir von einer Flohmarkt-LP (der Querschnitt auf Electrola/Columbia) auf dem Brinkmann Bardo, sodann von CD über den dCS Puccini. Nun taten sich Welten auf: die LP klang spannend, luftig und offen, Stimmen standen im Raum und das Geschehen lag ausgebreitet vor dem Zuhörer. Man merkte zwar, dass die Aufnahme der frühen Stereo-Zeit entsprang, aber es machte großen Spaß zuzuhören. Die CD hingegen klang eng, langweilig und flach. Verblüffend... Von dieser Strauss-LP hörten wir dann ein weiteres Stück (Terzett am Schluß der 2. Seite) zunächst über den Rega RP8, dann über den Brinkmann. Und wieder Erstaunen: der Rega klang matt und eng, man meinte, eine schlechte Aufnahme zu hören. Der Brinkmann hingegen machte wieder "großes Kino": Raum, Luft, emotionale Größe - alles war eindrucksvoll.

Mozart Klaviertrio (E-Dur KV542) mit dem Beaux-Arts-Trio: eine Philips-Einspielung von 1967, sehr gute Aufnahme-Qualität (wie immer bei Philips) und gute Pressung. Der Rega spielt gut, man hat den Eindruck: so soll es klingen! Dann aber der Bardo: ein Mehr an musikalischer Spannung, interessanten Details, emotionaler Tiefe. War das Cello vorhin auf dem Rega auch schon so schön füllig, konnte man vorhin das Holz hören? Und dort dieser witzige "Einwurf" des Klaviers: das war auf dem Rega auch nicht zu hören...

Gegen Ende Wagner Parsifal: ein Ausschnitt aus der Live-Aufnahme aus Bayreuth 1962 (Philips) mit Knappertsbusch. Auf dem Rega klang die Aufnahme altertümlich, matt und eng. Ganz anders der Brinkmann Bardo: hier hatte man plötzlich die Bühne vor Augen, konnte miterleben, was der Chor sang - und verstand, dass der Chor weit hinten stand und daher etwas hallig klang. Hätte man die vielen Stunden der Aufnahme mit einem Rega ertragen? Mit Mühe vielleicht... Mit dem Brinkmann hingegen wäre es eine Lust gewesen!

(Anmerkung: zwischendurch gab es auch leichtere Kost; falls Sie auch einmal kommen möchten, müssen Sie keine Angst haben davor, ausschließlich mit Wagner und Strauss konfrontiert zu werden. Aber ich finde: Kultur ist etwas Wundervolles! Wenn nicht dafür, wofür sonst kann eine gute HiFi-Anlage taugen...)

Wieso warum weshalb???
Der Rega RP8 - ein Referenz-Laufwerk in seiner Preisklasse - war völlig ohne jede Chance! Wie konnte das sein? War der Rega wirklich schlecht? Keineswegs! Er hatte nur in dieser Kette nichts zu suchen. Audiophile Weltklasse (Jeff Rowland, Avalon) verzeiht keine Abstriche! Ein Rega RP8 klingt wundervoll, wenn die übrigen Geräte auf vergleichbarem Niveau spielen. Wir hatten (bewußt) an diesem Abend verstoßen gegen eines der bekanntesten HiFi-Gesetze: eine Kette ist immer so gut (und so schlecht) wie sein schwächstes Glied!
Der dCS Puccini konnte bei geeignetem Material (hochauflösedne Musikdatei von Computer, SACD) vergleichbar dem Brinkmann Bardo spielen, kostet jedoch ungefähr das Doppelte. Dass Digitalgeräte mit hoher Auflösung für vergleichbare Qualität doppelt so teuer sind wie Plattenpsieler, ist ein weitreres HiFi-Gesetz und hinreichend bekannt. (Übrigens: wenn nur CD-Quaität zur Verfügung steht, muss der Preis-Faktor 3-5 sein! Kein Wunder also, dass an diesem Abend der Vergleich LP-CD zugunsten der LP ausging...) Dennoch sehr erfreulich, dass es die Digitaltechnik mittlerweile schafft, einem Brinkmann ebenbürtig zu sein!

Was bedeutet High-End im Alltag?
## Ein High-End-Plattenspieler erschließt dem Hörer eine viel größere Musik-Auswahl. Komplexe Musik (z.B. Jazz, Klassik, Hard-Rock live) klingt erst mit einer High-End-Anlage so gut, dass sich der Sinn der Musik überhaupt erst erschließt. Ohne High-End-Anlage wird man diese Musik gar nicht erst anhören!
## Ein High-End-Plattenspieler spielt alte, mittelmäßige LPs bzw. Aufnahmen viel besser ab. Er kann alles an Qualität wiedergeben, was irgendwie aus der Rille herauszuholen ist. Und das ist fast immer erstaunlich viel! Mit einem High-End-Plattenspieler haben Sie plötzlich fast nur noch tolle Aufnahmen im Plattenschrank!
## Ein High-End-Plattenspieler macht Sie mit der Zeit zu einem Hör-Sportler der Olympia-Klasse! Sie werden plötzlich an Musik-Aufnamhen Spaß finden, die Sie zuvor als sperrig, kompliziert, verstörend, langweilig oder fremdartig empfunden haben
High-End hört auch ein Laie. Jeder Laie! Sofort!

Kurz: ein guter High-End-Plattenspieler verzaubert die Musik, Ihre Plattensammlung und anschießend Sie selbst!

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