☎ Beratung 030 797 418 35

Clearaudio Stradivari

Clearaudio Stradivari Clearaudio Stradivari

Luxus hat es schwer in Deutschland. Würde ich mich im Bekanntenkreis outen als Besitzer einer "Plattennadel", die 3000 Euro kostet, herrschte betretenes Schweigen. Dabei könnte ich soviel Geld weitaus unsinniger ausgeben...

Clearaudio, Deutschlands Edel-Manufaktur für audiophile Schmuckstücke, fertigt solche Presziosen. Das Clearaudio Stradivari, das hier kurz beschrieben wird, ist mit seinem Preis von knapp 3000 Euro keineswegs das Top-Modell. Im Gegenteil: das Stradivari spielt preislich eher in Clearaudio's Mittelklasse. Dennoch ein nettes Sümmchen...Clearaudio war so freundlich, uns ein Stradivari zum Testen für einen netten Kunden zukommen zu lassen. Ein ganz herzliches Dankeschön nach Erlangen! Es ist uns natürlich eine Freude, derartige audiophilen Schmuckstücke einzuspielen und uns ein eigenes Urteil zu bilden.

Das Clearaudio Stradivari gehört zu einer Tonabnehmer-Familie, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann und in der Fachwelt einen exzellenten Ruf besitzt. Die Baureihe wurde überarbeitet und klanglich nochmals verfeinert. Im Namenszug steht das "V2" für die aktuellen Versionen.

Clearaudio Stradivari mit Nadelschutz Clearaudio Stradivari mit Nadelschutz

Einbau und Justage: Der Einbau des Stradivari ist grundsätzlich einfach. Dabei muss man jedoch eine Hürde nehmen. Das System kommt ab Werk in einer wunderschönen durchsichtigen Pyramide verpackt - jedoch ohne Nadelschutz. Der frei abstehende Nadelträger ragt weit ins Nichts. Der im (ebenso schönen) Holzgehäuse beiliegende Nadelschutz will also mit beherztem Druck aufgeschoben werden, bevor es an die Montage geht. Das kostet Nerven: ein kleines Zittern könnte den Austauschpreis kosten ...

Hat man diese Hürde genommen, geht alles weitere problemlos von der Hand: Anschluss-Drähte aufgesteckt, Tonabnehmer befestigt (toll: das Gehäuse hat Gewindebohrungen, die beidseitig offen sind und daher die Länge der Schrauben nicht unnötig einschränken), Überhang justiert. Dem System liegt eine Tonarmwaage bei, die jedoch recht einfach aufgebaut ist (eine kleine Wippe mit aufgedruckter Skala); da ist mir das extrem genaue und komfortable Digitalmodell (Clearaudio WeightWatcher) doch lieber. Das System kann aufgrund seines moderaten Eigengewichtes in die meisten Tonarme problemlos eingebaut werden. Ich hatte meinen Brinkmann Bardo mit 10.5-Tonarm gewählt: dieses Laufwerk ist sehr neutral und verträgt sich mit bislang jedem Tonabnehmer. Durch kleine Zusatzgewichte beschwert, spielt die Kombi im optimalen Resonanzbereich.

Clearaudio Stradivari Clearaudio Stradivari

Wie alle Tonabnehmer, so muss auch das Stradivari einige Runden durch die Rille ziehen, bis es "aufwacht". Frisch aus der Verpackung spielt es lustlos, blass und grobschlächtig. Ich bin immer wieder überrascht, wie sich der Klang dieser audiohilen Meisterwerke nach wenigen Minuten bereits verändert. Man kann dem Klang regelrecht dabei "zusehen", wie er echter, greifbarer, stimmiger wird. Nach etwa 10 Stunden verströmt das Clearaudio bereits audiophilen Charme. Ich mache mich an die Feinjustage, spiele ein wenig mit Auflagekraft (kaum verändert) und der Tonarmhöhe, bis das Klangbild "einrastet". Das Clearaudio macht erwartungsgemäß keine Ausnahme: bereits minimale Veränderungen der Tonarmhöhe ziehen erhebliche Änderungen des Klangbildes nach sich. Aber gerade diese Eigenschaft macht die perfekte Justage des Stradivari zum Kinderspiel: es zeigt dem Hörer haargenau, wo die ideale Justage liegt. Nach wenigen Minuten bereits kann ich mich entspannt zurück lehnen und genießen.

Klang: Wie klingt das Clearaudio Stradivari? Die preiswerten Einstiegssysteme sind bei uns fester Bestandteil unseres Vorführ-Repertoires. Das fantastische MM-System Clearaudio Performer sowie sein großer Bruder Clearaudio Artist V2 haben bereits ihre enorme Klangqualität unter Beweis gestellt. Auch die "kleinen" Clearaudio MC-Systeme Clearaudio Concept MC und Clearaudio Talismann V2 liegen in unseren Regalen. Gerade die letzte Überarbeitung hat allen Tonabnehmern gut getan. Die Systeme haben erstaunlicherweise hinsichtlich der Klangfarben und des musikalischen Flusses enorm zugelegt. Zudem gibt es nun so etwas wie einen Familienklang.

Clearaudio Stradivari Clearaudio Stradivari

So wundert es auch kaum, dass das Stradivari-System klanglich den preiswerteren Brüdern ähnelt. Erster Eindruck: es klingt nach nichts! Das ist das größte Kompliment, das ich einem Tonabnehmer machen kann. Schließlich möchte ich die Musik genießen, nicht die Technik hören. Es erinnert im besten Sinne an die großen (und teureren) Koetsu-Systeme: Klangfarben werden wunderbar hörbar, jedoch schwelgt das Clearaudio-System nicht und trägt nirgends zu dick auf. Das Bass ist angenehm konturiert, kräftig bis in die tiefe Lagen. Der Hochtonbereich ist völlig unauffällig - was mich sehr freut, waren frühere Clearaudio-Abtaster in dieser Disziplin doch eher forsch und deshalb nicht unbedingt mein Fall (was keineswegs eine qualitative Aussage sein soll!).
Aus Händlersicht ist das Stradivari sicherlich ein schwer verkäufliches System: es ist zu gut! Viele angehende High-Ender tun sich mit einem derart überragenden Klang (oder besser. der Abwesenheit eines Eigenklangs) schwer, denn sie hören das viel Geld nicht. Die Einsicht kommt den meisten erst später, dass man bei HiFi gerade eben dafür viel Geld ausgeben muss, damit man es nicht hört. Der Genießer jedoch lehnt sich entspannt zurück: das Stradivari macht seinem Namen alle Ehre! Es zaubert mit einer faszinierenden Mühelosigkeit große Orchester ebenso glaubhaft in den Raum, wie es kleine Jazz-Trios auferstehen läßt. Hard-Rock mit Schmackes gefällig? Bitte sehr! Oper mit Schmelz und Charme? Kein Problem!

Bei allen audiophilen Fähigkeiten fällt auf, dass Nebengeräusche erstaunlich selten hörbar werden.

Fazit: das Clearaudio Stradivari trägt seinen Name zu Recht! Es besitzt meisterliche Fähigkeiten, klingt extrem neutral, macht ungemein Spaß und ist dabei erfreulich alltagstauglich, da es auch mit leicht ramponierten Schallplatten klar kommt. Clearaudio hat sich mit dem Stradivari einen Ehrenplatz in der obersten Liga der wahrhaft audiophilen Hersteller verdient.

Bravo! Applaus!!

Hinterlasse eine Antwort