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Technikabend: Plattenspieler im Vergleich

Geräte aus sehr unterschiedlichen Preisklassen zu vergleichen, ist immer verbunden mit Fragen verbunden wie:

  • Hört man den Preisunterschied?
  • Braucht man ein teures Gerät? Wozu?

An diesem Abend spielte stellvertretend für preiswerte Geräte ein Pro-Ject Debut Carbon. Schwerpunkt war die Preisklasse zwischen 2000€ und 3000€, vertreten durch einen VPI Traveler, ein Roksan Radius V und einen Rega RP8. Aus der Oberklasse spielte ein Roksan Xerxes XX.

Als Abhöranlage hatten wir uns gegönnt: Lautsprecher Dynaudio Focus 380, Verstärker Unison Unico 100, Stromfilter, Stromkabel, NF- und Lautsprecher-Kabel von Transparent.

Pro-Ject Debut Carbon: das Basisgeräte war durch ein MM-Tonabnehmer, das beliebte Ortofon 2M Red, aufgewertet und mit einem "Albedo" Spezial-Phonokabel ausgerüstet. Phonostufe war ein Graham Slee GramAmp 2

VPI Traveler: hier spielte im langen 10-Zoll-Arm ein Ortofon Rondo Blue MC-System. Der Traveler wird ab Werk ohne NF-Kabel geliefert, wir hatten ein exzellentes Furutech Phono-Kabel angeschlossen. Wie alle anderen Geräte mit MC-Tonabnehmer, so spielte auch der VPI über die High-End-Phonostufe Nagra BPS.

Roksan Radius V: das Gerät war ausgestattet mit dem Roksan-Tonarm Tabriz (Standard-Phonokabel) und einem Grado Statement Platinum (MM), Phonostufe war eine Graham Slee JazzClub.

Rega RP8: dieses brandneue Laufwerk war mit einem MC-Tonabnehmer von Transrotor (Merlo Reference) ausgerüstet, ansonsten lief dieses Gerät in der Werks-Ausstattung, MC-Stufe war die Nagra BPS.

Roksan Xerxes XX: dieses wunderschöne Laufwerk war mit einem Roksan TabriZi Tonarm ausgerüstet und wurde über die kleine Motorsteuerung XPS7 betrieben. Als Tonabnehmer hatten wir ein EMT JSD5 eingebaut.

Nach einigen Minuten war eindeutig klar, dass der - an sich durchaus gute - Pro-Ject Debut Carbon derart chancenlos war, dass dieses Gerät umso weniger lief, je später der Abend wurde. Denn das Ohr gewöhnt sich schnell an guten Klang - und davon gab es reichlich!
Der VPI und der Roksan Radius schlugen sich recht gut, Geräte hatten ihr Vor- und Nachteile. Der VPI spielte sehr dynamisch und lebendig, der Roksan (dank Grado Abtaster) mit schönen Klangfarben.

Der Rega RP8 hingegen konnte sowohl VPI wie auch Roksan deutlich überholen. Aber der Rega war auch deutlich teurer - preisbezogen daher keine Überraschung. Dank des wundervollen Transrotor-MC-Systems spielte der RP8 erstaunlich souverän, konnte Raum-Dimensionen sehr glaubhaft abbilden und war auch bei großen Orchester-Tutti nicht überfordert. Der Rega RP8 dürfte wohl dank seiner erfreulichen Ausgewogenheit besonders gut gefallen. Die Überraschung war wohl beim Rega besonders groß, weil das Gerät rein optisch durch sein ungewohntes Design so gar nicht nach riesigem Klang aussieht. Typisch Rega...

Sowie jedoch der große Roksan Xerxes spielte, war nach wenigen Takten (!) völlig klar: dieses Gerät war erheblich besser! Ob es nun um Feinauflösung, Räumlichkeit, Bass, Dynamik, Live-Erlebnis oder irgendeinen anderen musikalischen Aspekt ging: der Xerxes war uneinholbar der Gewinner des Abends!

Fazit
Alle Besucher waren sich einig: je teurer die Plattenspieler, umso besser klangen sie. Der klangliche Gewinn war auch für ungeübte Ohren deutlich hörbar!

Hörbeispiele

Mozart Klavierkonzerte Nr. 14 & Nr. 24
Solist & Dirigent: Geza Anda, Camerata Academica des Salzburger Mozarteums
DG 139196, Aufnahmedatum 1967
Diese LP ist aufnahmetechnisch sicherlich kein Spitzenprodukt! Insbesondere laute Passagen geraten etwas schrill, die LP ist zudem schon mehrfach gespielt worden.
Allerdings gehört die Aufnahme aus musikalischer Sicht zu den großartigsten Einspielungen, die mir bekannt sind. Diese LP ist daher ein Paradebeispiel: wozu sonst, wenn nicht für eine solche Aufnahme, lohnt die Anschaffung eines teuren Plattenspielers?
Und tatsächlich gelang dem teuren Roksan Xerxes überragend viel besser als allen anderen Geräten, aus dieser Aufnahme ein musikalisches Erlebnis zu zaubern! Für manchen Besucher dieses Abends war diese LP der Schlüsselöffner: hier zeigte sich überraschend deutlich, dass die Aufnahme mit dem besseren / teureren Plattenspieler erheblich besser klang - mehr noch: erheblich mehr Spaß bereitete!
Viele Menschen glauben, dass es sich für alte LPs nicht lohnte, ein hochwertigen Player zu benutzen. Das Gegenteil ist der Fall! Gerade mit einem tollen Plattenspieler erwachen diese Aufnahme zu neuem Leben, mit preiswertem Gerät bleiben sie tot!
Und eben dieses Ziel haben wir bei der Zusammenstellung von HiFi-Geräten im Allgemeinen und Plattenspielern im Besonderen: wir wollen alle (auch schlechte) Aufnahmen genießen! Ein Widerspruch? Keineswegs, wenn Sie eine ausgesucht gute HiFi-Anlage haben. (Übrigens: dazu brauchen Sie einen Fachhändler! Im High-End-Bereich umso mehr als bei preiswertem Equipment!)

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