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Technikabend - Lautsprecher im Vergleich

Im Vordergrund Tannoy und Avalon, im Hintergrund Nagra

Die Technikabende sind für viele Besucher eine Gelegenheit, neue Technik in Ruhe vorgeführt zu bekommen. Aber ich muss gestehen: die Abende sind auch immer schon ein Versuchsfeld gewesen, um zu testen, wie gut neue Geräte, Anlagenkombinationen bei Besuchern ankommen.

Eine Frage, die sich uns immer wieder stellt: wie gut sind preiswerte Anlagen - im Vergleich zu teuren High-End-Systemen? Rechtfertigt das Hörerlebnis einen High-End-Preis? Oder fallen preiswerte Geräte zu arg ab gegenüber ihren High-End-Boliden?

Schwerpunkt waren Lautsprecher bis ca. zwischen 800€ und 1.600€:
- Cabase Eole 2.1-Set (komplett 800€)
- Dynaudio Excite X16 (Kompaktlautsprecher, 1.150€)
- Tannoy Revolution DC6T (Standlautsprecher 1.200€)
- Cabasse Java (Standlautsprecher, 1.600€)

All diese Lautsprecher spielten an einem Rega Brio R (Vollverstärker, ca. 700€) mit Rega Apollo R (CD-Spieler, 800€) und Rega RP6 (Plattenspieler mit Tonabnehmer Goldring G1042, ca. 1.500€ über Phono-Vorverstärker Graham Slee Era Gold, ca. 500€).
Die Lautsprecher wurden abwechslend angeschlossen, Vergleiche paarweise vorgenommen (also z.B. Cabasse Eole mit Dynaudio X16). Hierbei wurde verschiedenartige Musik (Jazz, Klassik, Pop) gespielt, um möglichst viele Aspekte des Musikhörens abzubilden. Die Musikstücke liefen jeweils ca. 3 Minuten.

Im Vergleich lief gelegentlich eine "kleine" High-End-Anlage: Nagra CDC (CD-Spieler, ca. 15.000€) direkt an Nagra MSA (Endstufe, ca. 7.000€) und Avalon Indra (Standlautsprecher, ca. 30.000€), Kabel (Strom, NF- und Lautsprecher) von Transparent.

Wir konnten also nicht nur mehrere Lautsprecher aus einer vergleichbaren Preisregion miteinander vergleichen, sondern auch zugleich klären, ob ein High-End-System zum ungefähr zwanzigfachen (!) Preis hörbar besser klingt.

Hörvergleich der preiswerten Lautsprecher

Immer wieder überraschend stellt sich der Hörvergleich dar, wenn man Lautsprecher mehrerer Hersteller gegenüberstellt, die preislich vergleichbar sind. Am besten kann man  die Qualität beurteilen, wenn man in Ruhe einige Minuten zuhört (also nicht in schneller Folge hin und her schaltet). Denn dann kann sich das Gehör auf klangliche Details einstellen, die im Grunde kein Qualitätsmerkmal sind: leicht heller oder dunkler Klang ebenso wie manch andere Unterschiede. Im schnellen Hin- und Her-Schalten scheinen derartige Unterschiede auffällig zu sein, aber das Hören ist ja kein Mess-Vorgang, sondern im Wesentlichen die Leistung des Gehirns, mithin eines "Audio-Computers", der sich schnell an unterschiedliche Hörsituationen einstellen kann.
Andere Dinge - wie z.B. Verfärbungen und Zeitverhalten, dienen dem Hören von Raum, feinen Details und Klangfarben. Hier braucht das Gehör (vor allem, wenn es nicht geschult ist, derartige Phänomene zu analysieren) etwas länger, um Unterschiede zu erkennen.

Und es gab Unterschiede! Allerdings hatte wir ausschließlich herausragend gute Lautsprecher im Vergleich, daher konnte man eher feststellen: es gab keine Enttäuschungen, sondern es bildeten sich Gruppen von Zuhörern, die die eine oder andere Box bevorzugten. Die Tannoy DC6T beeindruckte durch lebendige Dynamik und erstaunliche Feinzeichnung, zudem eine wunderbare Raumabbildung. Das Cabasse Éole-System beeindruckte durch ein weiträuiges Klangbild und einen tollen Bass, musste sich aber hinsichtlich Auflösung im oberen Mittenbereich geschlagen geben, angesichts des Preises aber leicht zu verschmerzen, denn alle anderen Wettbewerber waren teurer. Die großen Standboxen Cabasse Java konnten - ähnlich den Tannoy - bei dynamischer Musik punkten, zudem war der Bassbereich ein deutliches Plus dieser Lautsprecher. Sie spielten einen Hauch brillanter, was je nach Hör-Geschmack als Vor- oder auch Nachteil gewertet wurde.
Am interessantesten war der Vergleich mit der kompakten Dynaudio X16: hier spielte ein Hochtöner aus einer höheren Qualitätsklasse, der durch extrem gute Feindynamik, Abbildungsgenauigkeit und auch in hohen Lagen sehr freie Spielweise beeindruckte. Der langhubige Tieftöner hatte jedoch im kleinen Gehäuse seine Mühe, den tiefen Lagen ausreichend Geltung u verschaffen. Zwar fehlte der Bass nicht, solange die Dynaudio alleine spielte. Im Vergleich zu den großen Standlautsprechern von Tannoy und Cabasse jedoch vermisste man schnell den Druck im Bassbereich. Allerdings gab es zahlreiche Hörer, die die Dynaudio X16 als eindeutig besten Lautsprecher empfanden. Hierzu sei gesagt, dass ein derart kompakter Lautsprecher eher für Räume bis ca. 20qm gebaut ist, der Hörraum dieses Abends hingegen ca. doppelt so groß war, zudem über 4 m hohe Decken hatte - eindeutig zu viel Raumvolumen für den kleinen Basstreiber der X16. Erstaunlich dennoch, wie wenig dieser Umstand störte, da alle anderen Kriterien der Musikwiedergabe bei der Dynaudio X16 enorm gut waren. Vor allem die Raumabbildung wurde als großer Pluspunkt genannt - in diesem Punkt konnte nur die Tannoy mithalten.

Übrigens: erstaunlich, wie herausragend gut die Elektronik von Rega spielte! CD-Spieler Rega Apollo R und Verstärker Rega Brio R konnten mühelos die Qualitäten aller Lautsprecher aufdecken. Mehr noch: der Spaßfaktor war mit allen Lautsprechern erstaunlich hoch! Mit LP klang alles noch etwas geschmeidiger und offener: keine Kunst mit dem überragenden Plattenspieler Rega RP3 (mit MM-Abtaster Goldring G1042 und Phonostufe Graham Slee GramAmp2 SE)!
Wie schön, dass es auch im bezahlbaren Preisbereich noch Hersteller gibt, die mit Liebe und Verstand bauen und sich dem (musikalisch und klanglich langweiligen) Mainstream aus Fernost entgegen stemmen.

Klingt High-End besser?

Technikabende sind immer auch ein wenig "Spielwiese", um (wieder und immer wieder) eigene Urteile zu hinterfragen und an Vorurteilen zu rütteln.
Hierzu gehört unsere Überzeugung, dass ein guter Fachhändler nur dann ein überzeugendes Urteil abgeben kann, wenn er die besten High-End-Anlagen regelmäßig im Geschäft vorführt und vor allem auch selber eine solche Anlage besitzt, u tagtäglich sein Gehör zu schulen. Kleiner Nachteil: man gewöhnt sich als Händler an diesen überirdisch guten Klang und übersieht schnell, dass die Wirklichkeit in den meisten Wohnzimmern anders klingt.... Und mithin die meisten Besucher der Technikabende nicht ein High-End-geschultes Gehör mitbringen.
Wir würde sich eine High-End-Anlage in einem solchen Umfeld schlagen? Wie viel besser ist eine Anlage für deutlich über 50.000€ im Vergleich zu einer exzellenten 3.000€-Anlage?
Hört auch ein High-End-Unerfahrener den Unterschied?

Das Ergebnis war eindeutig: die High-End-Anlage klang vom ersten Ton an erschreckend viel besser. In jeder Hinsicht übertraf die teure Elektronik die exzellenten preiswerteren Komponenten. Fast schon erstaunlich war, wie gut CDs klingen können, wenn alles passt (die Elektronik ebenso wie die Aufnahme).
Gemein? Ja: gemein! Qualität ist nicht ersetzbar - und Qualität kostet Geld. Nicht jede teure Elektronik ist High-End, aber jede High-End-Elektronik ist teuer. Leider nicht zu ändern...
Anmerkung: Ich muss gestehen, dass ich ein derart eindeutiges Ergebnis nicht erwartet hatte. Das freut mich einerseits, da ich High-End als eine Bereicherung meines Lebens empfinde, die ich nicht missen möchte. Entsprechend enttäuscht bin ich, wenn Mitmenschen diese Begeisterung nicht teilen und/oder nachvollziehen können. Ganz anders die Reaktion an diesem Abend! Ich habe die große Anlage allerdings nicht allzu lange gespielt, denn sie verdirbt den Spaß an preiswertem HiFi. Das Gehör gewöhnt sich eben schnell an "Mehr".... Mit ein wenig zeitlichem Abstand macht aber eine gut zusammengestellte HiFi-Anlage aus bürgerlichem Preisbereich großen Spaß. Und darauf kommt es an!

Fazit

Es gab keinen klaren Sieger (wenn man von der High-End-Anlage einmal absieht, die aber preisbedingt außer Konkurrenz lief). Die Dynaudio X16 überzeugte vor allem Hörer, die Wert auf Feinzeichnung legen und einen kleineren Hörraum haben. Die Tannoy war angesichts des Preises wohl der beste Allrounder: einsetzbar in kleinen wie in großen Räumen, tolle Feinzeichnung und Räumlichkeit, mitreißende Dynamik. Das 2.1-System Éole von Cabasse konnte durch flexible Aufstellung, tiefreichenden Bass und erstaunlich günstigen Preis überzeugen, die große Standbox Cabasse Java punktete ebenso mit einem tollen Tiefbass und lebendiger Spielweise.

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