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Technikabend - Analog gegen Digital

Die High-End-Anlage an diesem Abend Im Vordergrund die zierliche Dynaudio-Box Confidence C1, im Hintergrund der Plattenspieler Roksan Xerxes, darunter der SACD-Spieler dCS Puccini, Vorstufe Jeff Rowland Capri und die beiden Mono-Endstufen Jeff Rowland 201

Wir gelten als Experten für Musikwiedergabe über Plattenspieler - gute alte Analogtechnik, die dank moderner Geräte ihr Aussterben erfolgreich verhindert hat. Vielen Musikhörern gilt die Schallplatte immer noch als Non-Plus-Ultra, wenn es um guten Klang geht.

Moderne Musikaufnahmen entstehen jedoch weitgehend digital. So schlecht kann Digitaltechnik also nicht klingen. Denn auch hier macht der technische Fortschritt nicht Halt. Klangen CD-Spieler vor einigen Jahren noch bestenfalls mittelmäßig, so können moderne Geräte auch verwöhnte Ohren überzeugen. Vor allem hochauflösende Digitalformate, allen voran die SACD, kann High-End-Klang ins Wohnzimmer zaubern.

Analog gegen Digital: neben einem direkten Hörvergleich zwischen LP und CD wurde auch gezeigt, in welchem Preisverhältnis Plattenspieler und Digital-Player stehen sollte, um vergleichbare Qualität zu bieten. Ebenso spannend: kann ein SACD-Spieler deutlich besseren Klang abliefern als ein guter CD-Spieler?

Für die LP traten an:

  • Pro-Ject Debut Carbon, leicht modifiziert durch Tonabnehmer Ortofon 2M Red, bedämpften Plattenteller, Plattenbeschwerer und gutes Phono-NF-Kabel an Phonostufe Graham Slee GramAmp 2
  • Rega RP 1 mit Tonabnehmer Ortofon 2M Blue und gutem Phono-NF-Kabel an Phonostufe Graham Slee GramAmp 2SE
  • Roksan Xerxes XX mit Tonarm Roksan TabriZi, Tonabnehmer Ortofon Rondo Blue und Phonostufe Brocksieper PhonoMax (Röhre)

Auf Digitalseite stiegen in den Ring:

  • Rega Apollo R (CD-Spieler)
  • NAD C 515 BEE (CD-Spieler)
  • dCS Puccini (CD-/SACD-Digitalsystem)

Als Abhöranlagen dienten eine preiswerte Kette mit Vollverstärker Rega Brio R an Dynaudio Excite X32. Im zweiten Teil des Abends spielte eine High-End-Anlage, bestehend aus Vorstufe Jeff Rowland Capri, Monoendstufen Jeff Rowland 201 an Dynaudio Confidence C1 und minimaler Hilfe eines Subwoofers von Tannoy.

Beide Anlagen dürften in ihrer Preisklasse das derzeit technisch Machbare darstellen.

Preiswerte Elektronik
Der Rega Brio R spielt Klassen besser als gängige 0-8-15-Verstärker dieser Klasse: Raumabbildung und Musikalität sind fast schon auf Spitzenklasse-Niveau! Die fein-zeichnenden Dynaudio-Lautsprecher harmonieren perfekt mit dem Rega Verstärker: sie stellen keine großen Anforderungen an Stromlieferfähigkeit, können perfekt neutrale Mitten spielen und haben eine überragend feine Hochton-Abbildung. Ideale Voraussetzungen, um die beiden Quell-Geräte vergleichen zu können: Pro-Ject Debut Carbon und Rega Apollo R.
Der Plattenspieler klang etwas dynamischer und eine Spur heller, der Rega Apollo R CD-Spieler hielt jedoch mit einem sehr flüssigen und "analogen" Klangbild dagegen. War der Plattenspieler insgesamt klanglich etwas besser, so war der Abstand zum Rega Apollo R jedoch nicht derart riesig, dass man mit LP oder CD nicht großen Spaß beim Zuhören gehabt hätte.

High-End

Mit der High-End-Elektronik sollte es einfacher sein, Unterschiede zu hören. Es ging "in die Vollen". Und schnell wurde klar, dass die große Anlage mit Jeff Rowland Elektronik und den großen kleinen Dynaudios unglaublich viel besser spielte.
Kurz gesagt: Geld macht glücklich!
Zunächst hatten wir uns "warm-gehört". Einige Minuten mit dem dCS Puccini, einige Minuten LP mit dem Roksan. Da hörte man noch Sätze wie: "Für einen CD-Spieler wie diesen (dCS) würde ich nie 15.000€ ausgeben!"
Wir spielten CDs und identische Aufnahen auf LP auch über den Roksan M2 CD. Hier kamen zunächst Kommentre wie: "Der klingt genauer als der Plattenpieler". Nach weiteren zwei CDs und LPs wendete sich die Stimmung. Ich gestehe: dahinter steckte Absicht... Denn je später der Abend, umso besser waren die Aufnahmen, umso komplexer war die Musik. Es ist völlig normal, dass man als Zuhörer etwas Zeit braucht, um die Anlage kennen zu lernen - und um sich auf den Klang einzulassen. Das Gehör gewöhnt sich schnell an gute Qualität - wenige Minuten genügen.
Am deutlichsten war der Unterschied zu hören, als Richards Strauss' SACD "Ein Heldenleben" erst im NAD spielte (langweiliger Klang, gepresst eng und wenig räumlich) und danach im dCS Puccini spielte: der dCS verwandelte die Töne in betörende Musik, weiträumig, tiefer Bass, wunderbare Höhen mit greifbarer Live-Atmosphäre. Kaum zu glauben, dass die gleiche Aufnahme gespielt wurde. Karajan's Einspielung von LP stand der dCS-Vorstellung in nichts nach. Es klang anders, aber nicht weniger spannend und großartig.

Pauschal kann man sagen: je schlechter die Aufnahme, umso eher konnte ein preiswertes Digitalgerät noch Spaß machen. Je besser die Aufnahme, je komplexer die Musik, je höher die digitale Auflösung (hier: SACD), umso mehr profitierten die hochwertigen Geräte. Die preiswerten digitalen Geräte kamen schneller an ihre Grenzen als ihre analogen Pendants: sowohl der Rega Apollo R als auch der NAD C 515 BEE stürtzten regelrecht ab, wenn komplexe Musik gespielt wurde. Die preiswerten Plattenspieler hingegen hatten zwar hörbare Nachteile gegenüber dem (viel teureren) High-End-Laufwerk, aber die Musik litt auf den preiswerten Laufwerken nicht derart, dass man den Hörversuch abbrechen wollte. Insbesondere der getunte Rega RP1 überraschte die Zuhörer: selbst in der vollendet klingenden High-End-Kette konnte der kleine Plattenspieler mit vernünftiger Performance überzeugen.

Bei all den Vergleichen hat man ein "kleines" Problem: da auch bei identischen Aufnahmen durch das unterschiedlich Abmischen auf LP, CD und/oder SACD jedes mal die Qualität variiert, ist ein Vergleichshören immer schwierig. Ein einfacher Ausweg: man nehme gute Aufnahmen von komplexer Musik (hier: Richard Strauss' Heldenleben): eine exzellente LP (hier eine ältere DG-Einspielung mit Karajan) und eine ebenso tolle Aufnahme auf SACD (erschienen auf BIS, einem Label mit zahlreichen guten SACDs). Sodann lehne man sich zurück und genieße. Schnell wird sich ein Gefühl für die Qualität einstellen. Wie steht der Raum? Wir gut werden die vielen Instrumente getrennt? Klangfarben? Bass? Dynamik? Spaß-Faktor? Begeisterung? Erstaunlich: ein derartiger Hörvergleich ist häufig aufschlußreicher als der unmittelbar Vergleich derselben Aufnahme.

Fazit

Wenn man ein belastbares Bankkonto sein eigen nennt, dann steht dem digitalen Hörgenuß nichts im Weg. Analog-Laufwerke klingen überragend gut - aber das war wohl bereits vor dem Hörvergleich klar. Mittlerweile gibt es einige Digitalsysteme, die ein ebenso hohes Niveau erreicht haben.
Überraschend gut schnitt der preiswerte Rega RP1 ab.
Mindestens ebenso interessant dürfte aber für viele Zuhörer auch sein, dass die Gesamtqualität der Wiedergabekette einen sehr großen Einfluß auf das musikalische Wohlbefinden hat. Konnte ein preiswerter CD-Spieler in einer preiswerten Kette überzeugen, so hatte ein entsprechend günstiges Gerät in einer (zu guten) High-End-Anlage keine Chance.

Diese Musik wurde unter anderem gespielt:

Richard Strauss - Ein Heldenleben
Komplexe große Sinfonik, wundervolles Spiel mit Klangfarben, Orchestrierung und Dynamik. Die Musik stellt hohe technische Anforderungen an eine HiFi-Anlage. Stimmt die Raumabbildung nicht, verliert die Musik völlig den Sinn; Auflösung auch im Hochtonbereich entscheidet darüber, ob das Klangfarbenspiel erlebbar wird. Eine CD kann aufgrund der technischen Grenzen derartige Musik kaum wiedergeben. Eine LP und eine SACD hingegen sind in ihrem Element - vorausgesetzt, alles stimmt! Diese Aufnahme überzeugen durch eine exzellente Tonstudiotechnik!
SACD: Strauss, Ein Heldenleben, Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin, BIS-SACD-1880 (Aufnahme von 2011)
LP: Strauss, Ein Heldenleben, aus Kassette "Richard Strauss Tondichtungen", Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan, Deutsche Grammophon 2563-339 (Aufnahme von 1959)

Talk Talk
An alle Ü50: wer kennt diese Musik nicht? Zwei Takte genügen - und die 1980er leben wieder auf. Die Musik glänzt auch durch ausgezeichnete Aufnahmetechnik! Wer jemals dachte, LPs klingen nicht gut, sollte sich diese LP vom Flohmarkt besorgen und auflegen. Am besten vorher die Nachbarn einladen, Lautstärke hoch - und los geht's! Die entsprechende CD klingt leider flach und macht dem Vorurteil alle Ehre: Digital taugt nix.
Ist zum Glück nur ein Vorurteil!

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