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Linnies

Es gibt ja Sachen, die mag man - oder mag man nicht. Der Linn LP12 ist so ein Ding. Ich hör ihn immer wieder mal, meistens bei Kunden oder Messen. Und dann steh ich da und wundere mich. Was finden die Leute an dem Ding? OK - vor 30 Jahren, als Linn den ersten LP12 rausbrachte, da war das wie ein UFO, das in der Steinzeit gelandet ist. Da gab's nur diese japanischen Gurken oder Duals Rumpelkisten mit fipsigem Alu-Tonarm und ganz viel Plastik. Damals - ja damals war ein LP12 echt was tolles! Endlich ein Gerät mit gutem Timing, toller Dynamik und Auflösung.

Aber heute?

Da ist immer noch dieses supertolle Timing vom LP12. Aber insgesamt klingt er total technisch und steril. Das ist blutleeres HiFi-Gezirpe, null Emotion, kurz: das Ding ist einfach veraltet. Würde es einfach für ein paar Hunderter übern Ladentischen gehen, wäre das ja alles ok. Aber selbst eine uralte abgenudelte Kiste kostet bei ebay ja noch ein Tausender und mehr.

Nur: wehe, man sagt das dann. Gotteslästerung! Blasphemie!!! Ein LP12 ist doch toll getestet worden. Der wird schon ewig gebaut. Und überhaupt.
Ok ok ok... ich bin ja schon ruhig. Einen LP12 hat man nicht zum Musikhören. Das ist Kult, das hinterfragt man nicht, und schon gar nicht vergleicht man das Ding mit einem modernen
Plattenspieler. Könnte ja womöglich eigene Vorurteile ins Wanken bringen... Wohlgemerkt: ich lästere hier auf hohem Niveau. Wäre da nicht der Anspruch der LP12-Jünger, ihre Kiste wäre die Referenz fürs Musikhören, dann wäre alles in Ordnung....
Versöhnlicher: und überhaupt: mir ist ja auch klar, dass wir hier über Hobby reden. Und das bedeutet für jeden was anderes. Also los - hört weiter euren LP12. Aber fragt mich nicht, wie man aus dem Ding einen warmen Klang rauskriegt. Gefühlvolle Linien. Schmelz. Das kann der einfach nicht. Hört Hardrock oder fetzigen Jazz mit dem Ding, da macht er Spaß.

Ich will Opern hören, Klaviersonaten, Kammermusik. Frauenstimmen. Kontrabaß. Oder auch mal Ella Fitzgerald. Oder Madonna. Ich will leiden. Ich will mich gruseln. Will gerührt werden von der Musik. Oder auch mal einfach lesen und nur nebenbei hören. Und für so jemanden wie mich gibt es ganz viele andere Player - nur eben keinen LP12.

7 Gedanken zu „Linnies“

  • johnny.yen

    Gottogott, das fängt ja gut an: "als Linn den ersten LP12 rausbrachte, da war das wie ein UFO, das in der Steinzeit gelandet ist. Da gabs nur diese japanischen Gurken oder Duals Rumpelkisten mit fipsigem Alu-Tonarm und ganz viel Plastik." Hmm, ja, ja die SP-10 Gurke, Sonys DD-Tomaten, Micro-Bohnen in den Ohren und der Plastik-721, was waren wir damals froh über den Linn. Heute hat er zwar immer noch eine leichte Oberbassmacke, mancher nennt das Timing, ist aber ansonsten durchaus in der Lage, knackig und vor allem präzise zu spielen. Das ist mehr als manches Acryl- oder tschechisches Sparwunder von sich behaupten kann - und das soll nun wieder "blutleeres HiFi-Gezirpe, null Emotion" sein. Verwirrend für den unwissenden Leser... was für den Spieler aus der eigenen Angebotspalette ein positives Merkmal sein soll, ist für den Linn ein Mangel.
    Ach was solls, ich ärgere mich hier nur mehr, als mir lieb ist, ich gehe noch kurz ins Wohnzimmer und höre mir etwas plärrenden Hardrock auf so einer Japan-Gurke an, lesen kann ich bei dem Krach ja nicht, guck ich 'mir halt Transrotor-Prospekte an, und freu mich, daß ich mir das nicht leisten kann...

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  • harald

    ...tja gut gebruellt - mit lingo nicht ganz so schlimm sag ich mal aber ansonsten ist schon was wahres dran. ...aber jetzt wirds schwierig, kenn im umkreis von 100km keine moeglichkeit verschiedene 'neue' im vergleich zu hoeren - also werd ich wohl weiter mit meinem zeitweise harschen 'kult' zusammenleben und davon zu traeumen seine schwachen seiten mit dem (erst zu findenden) mm-system auszugleichen...

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  • ichbinsnur

    Hallo,

    Zitat: "...und schon gar nicht vergleicht man das Ding mit einem modernen Plattenspieler. Könnte ja womöglich eigene Vorurteile ins Wanken bringen..."

    Oder man lässt ihn aus jedem Vergleich mit modernen Plattenspielern heraus, weil man als Händler keine Argumente mehr hat wenn ein 35 Jahre alter Plattenspieler besser ist als ein moderner!

    Ich mag den Hype um den LP 12 auch nicht. Ferner ist die Darstellung dramatischer Musikgeschehnisse, die oft in klassischer Musik und Opern anzutreffen ist nicht die Paradedisziplin eines LP 12.

    Falsch ist, dass es bei der Vorstellung des LP 12 nur Plaste-Plattenspieler aus Japan ohne Dynamik gab. Schon damals gab es Thorens und auch solide Dreher aus Japan und USA, gegen die der LP 12 sich behaupten musste und auch da hat er das eine oder andere Mal den kürzeren gezogen.
    Erst Linn-Händler und manche derer Kunden haben durch Überzeugungsarbeit versucht dieses angebliche Alleinstellungsmerkmal zu erzeugen. So ist dieser 'Mythos' entstanden und wie auch hier zu lesen ist, ist er scheinbar nicht tot zu kriegen.

    Noch ein Zitat: "Aber insgesamt klingt er total technisch und steril. Das ist blutleeres HiFi-Gezirpe, null Emotion..."
    Man kann dem LP 12 viele negative Eigenschaften nachsagen, dass er nicht neutral klingt und dass er die Musik übermäßig präsentiert und das er sehr kritisch ist was die Aufstellung und Justage betrifft, aber die zitierte Klangbeschreibung ist absoluter Bullshit! Wer so den Klang beschreibt will entweder die vorher verpönte Überzeugungsarbeit im umgekehrten Sinne leisten oder hat den LP 12 noch niemals gehört

    Richtig ist allerdings wieder, dass der LP 12 durch seine Eigenschaften die Zuhörer stark polarisiert - entweder man mag es oder man mag es nicht.

    Ich bin übrigens kein Linn-Händler sondern nur ein Vinylhörer, der den LP 12 als ganz normalen klassischen Plattenspieler sieht.

    analoge Grüße

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  • Rappan

    Genau - es gibt Sachen, die mag man - oder mag man nicht. Ich selbst habe seit vielen Jahren einen LP12 und höre immer noch gerne Musik mit ihm, auch stundenlang. Ich mag ihn. Allerdings würde ich mir keinen mehr kaufen, sicher nicht. Er ist schlichtweg hoffnungslos überteuert. Ich kann und will ihn auch nicht verkaufen, das Geld, dass er mich bisher gekostet hat (für Lingo, Ekos 2, Trampolin, TA-Klyde und so weiter) bezahlt mir kein Mensch, nicht einmal annähernd. Außerdem ist er eine Mimose, sprich nur wirklich perfekt ein- und aufgestellt ist er auch gut zu hören. Des Weiteren würde ich keinen Linn-TA mehr verwenden, sind durch die Bank viel zu kalt und analytisch (das MC-System Klyde war eine Fehlinvestition ersten Ranges). Wie gesagt, ich bin zufrieden, aber ich verstehe jeden der für diese Stange Geld sich anderwo umschaut und einen Plattenspieler erwirbt, der auch klnglich alle Stücke spielen wird.

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  • ichauch

    hallo leute
    ich habe auch einen lp12 lingo ekos2 aber kein linn system
    mehr, die sind teuer ausgenommen asaka, sind die anderen scheiße. heute habe ich ein goldring 1042 dran und ein super standup und meine anlage sunfire röhre, vtl mb-125 röhre,
    shahinian hawk klingt super. habe noch was anderes besseres dran, aber alle sind um lichtjahre besser als cd. die heutigen
    preise bei linn und anderen herstellern sind eine frechheit.
    bis dann
    ichauch

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  • broesel

    Auch wenn mein Beitrag etwas spät erscheint (ich bin erst gestern auf den Linn-Beitrag gesto?en), muss ich als LP 12 Besitzer seit 16 Jahren doch etwas schreiben:

    Wenn man die gravierenste Polemik beiseite lässt, bleiben immer noch problematische Einstellungen, die hier als Händlererfahrung bezeichnet werden und den unbefangenen Neu- oder Wiedervinylhörer eventuell falsch beeinflussen könnten.
    Zunächst die Musikauswahl: Hier scheint sich besagter Linn-Kritiker Musik nach bestimmten Soundkriterien auszuwählen, die Auswahl garantiert über die vorliegende Anlage ein „emotionales“ Erlebnis. Eine Anlage wird nicht mehr zusammengestellt, um beliebige Musik wiederzugeben, sondern die Musik folgt den „Bedürfnissen“ der Anlage (bzw. des Plattenspielers).
    Neutrale Wiedergabe wird als emotionslos und technisch klingend abgewertet, es wird nicht mehr auf den Klang, sondern auf den Sound geachtet.
    Es ist Unsinn, für die Bewertung einer Komponente oder Anlage Musikbeispiele heranzuziehen, für die es kein Referenzerlebnis gibt.
    Eine gute Anlage, ein guter Plattenspieler sollte jede Art von Musik auf gleich hohem Niveau wiedergeben.
    Zum anderen wird auf das Alter des LP 12 hingewiesen. Ebenfalls Unsinn, da es diverse Updates gab (das letzte zugegebenermaßen sehr teuer) und besagter Kritiker Geräte verkauft, die noch älter sind (die beiden Reibradlaufwerke von Thorens und Garrard; über die Problematik von Eisentellern in Verbindung mit Magnetsystemen bei verwellten Platten fragen Sie Ihren Physiker).
    Noch ein Tipp zum Schluß: Wenn jemand die Performance seines LP 12 bemängelt, so schicken Sie Ihn doch bitte zu jemandem, der sich damit auskennt (einem Linn-Händler zum Beispiel (Anm.: Ich bin keiner)), falsch eingestellt klingt das Gerät tatsächlich nicht.

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  • pete

    Die Beschreibungen für LP-12 bis zum Modell 2006 kann ich durchaus mit Verständnis sehen. Ich habe im März den Schritt zum LP-12 SE gewagt (Tonabnehmer Audio Technica AT33 Anniversary, Japan Import) - zugegeben sehr teuer. Von einem kompetenten Händler eingestellt bzw. umgebaut kann ich nach 4 Monaten nur berichten, daß ich noch nie so gern und so gut LPs gehört habe wie mit dem neuen LP12 SE - zuvor trotz Ekos 2 habe ich mich oft geärgert über die Mimosenhaftigkeit. Subchassis Keel und das neue Trampolin sind eine derartige Verbesserung, die man zuvor nicht vermuten konnte. Nachdem ich den Schritt getan habe würde ich nicht mehr zurück zu meinem früheren RDC-getunten Thorens TD 2001/3001, der Probleme mit bestimmen TAs hatte (dunkler Bassbereich): z.B. war Thorens mit Grado Platinum schlicht nicht brauchbar.
    Der Kult um Linn LP-12 ist mir suspekt, trotzdem ist der LP-12 gut eingestellt ein toller Plattenspieler. Plug and play ist aber leider nicht!

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