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Technikabend - Analog gegen Digital

EARAcute4_heroWas klingt besser: analoge Plattenspieler oder digitale CD-Player? Sind SACD-Player eine Alternative? Oder sollten Sie auf neue Digital-Formate warten?

Fragen, die in der HiFi-Welt seit Einführung der CD heftig diskutiert werden. Dabei könnte alles so einfach sein...

Technikabend bei PhonoPhono vom 2. September 2016

Hört ein Laie den Unterschied?

Für die Nicht-Techniker unter uns: es gibt deutlich hörbare Unterschiede zwischen einer analogen und einer digitalen Aufnahme und Wiedergabe. Je schlechter entweder die Aufnahme oder die Wiedergabe ist, umso deutlicher sind die Unterschiede. Jeder Musikhörer reagiert auf diese Unterschiede. Manch ein HiFi-Unerfahrener braucht ein paar Minuten, um den Unterschied zu hören - und kleine Hinweise, worauf man beim Hören achten soll, beschleunigen diese Erfahrung. Jeder Mensch bewertet die Unterschiede individuell - für manchen ist Qualität unwichtig, für andere unverzichtbar. Unabhängig von persönlichem Musik-Geschmack und Hör-Geschmack ist gute Qualität aber immer und für jeden Menschen hörbar!

Vorteile Analog: gute Räumlichkeit, guter Bass, gute Trennung der einzelnen Instrumente bzw. Musiker, guter "Flow" (Musikalität, Echtheit, Live-Erlebnis)
Vorteile Digital: keine Störgeräusche (Kratzen, Verzerren, Jaulen), gute Hochton-Wiedergabe

Je nach Ihrem Hör-Geschmack und Musik-Geschmack werden Sie daher die Vorteile unterschiedlich bewerten. Hören Sie Musik, die nicht auf Räumlichkeit angewiesen ist (z.B. Hintergrund-Musik, Unterhaltungsmusik) oder elektronische Musik (Club, House etc.), werden Sie eher bei Digital glücklich. Hören Sie eher akustische Musik, Jazz, Klassik, Liedermacher, werden Sie Analoges bevorzugen.

Die Klang-Unterschiede sind häufig subtil und werden von vielen Musikhörern als marginal eingestuft. Insbesondere die Digitaltechnik verleitet dazu, mit technisch mangelhaftem Gerät zu hören. Mit fatalen Folgen! Denn der Mensch hört nicht mit den Ohren, sondern mit dem Gehirn. Hören ist ein erstaunlich komplexer Vorgang, der dem Gehirn Höchst-Leistung abfordert. Auf analoge Qualitäts-Defizite ist das Gehör evolutionär vorbereitet und korrigiert automatisch, quasi "nebenbei". (Übrigens vermutet man hier eine Ursache dafür, dass beim Musikhören einige Verzerrungsphänomene sogar als angenehm empfunden werden - eigentlich ein Paradox!). Auf digitale Minder-Qualität hingegen reagiert das Gehirn mit erhöhtem Aufwand - das Hören wird als deutlich anstrengender empfunden, macht weniger Spaß und führt bei vielen Menschen dazu, Musik nicht mehr aktiv zu hören (also sich einfach mal hinzusetzen und nur der Musik zu lauschen) - bis hin zu Kopfschmerzen.

Kann man Klang-Unterschiede messen?

Für die Techniker unter uns: man kann Klang-Unterschiede natürlich messen. Betrachtet man statische Messungen (also Messungen mit nicht-veränderlichen Signalen, z.B. Verzerrungen bei Sinuston, Klirr-Faktor, Dynamik, Frequenzänderungen), dann ist Digitaltechnik um Größenordnungen besser. Beispiel Verzerrungen: während eine analoge Wiedergabekette häufig Verzerrungen im Prozentbereich aufweist, glänzt eine Digital-Kette mit fast nicht mehr nachweisbaren Werten im untersten Promillebereich.

Betrachtet man jedoch dynamische Messungen, z.B. das Verhalten auf kleine Frequenzänderungen, kleine Dynamikänderungen oder das Zeitverhalten sowohl eines einzelnen Kanales wie auch der Kanäle (links-rechts oder gar Mehrkanal-Bertrieb) zueinander, sehen viele Digitalsysteme plötzlich schlecht aus! Betrachten Sie beispielsweise eine sprunghafte Änderungen (Impuls), dann zeigen viele Digitalsysteme eine Schwingung vor dem eigentlichen Impuls - ein Verhalten, das es in der "echten" Welt nicht geben kann, denn das wäre ein Blick in die Zukunft...

Gehör-physiologisch könnte man verkürzt sagen: die Fehler einer Analog-Wiedergabe sind dem Gehör bekannt und seit der Entwicklung des Gehörs berücksichtigt. Die Fehler einer Digital-Wiedergabe hingegen sind völlig neu und verwirren das Gehör. Wenig überraschend, dass digitales Hören umso mehr anstrengt, je schlechter die Qualität.

Kann man analoge und digitale Qualität vergleichen?

Vor- und Nachteile von Analog bzw. Digital-Technik verschwinden mit zunehmen Aufwand. So kann man die Nachteile der Hochton-Wiedergabe in Analog-Systemen (vor allem dem Plattenspieler) praktisch unhörbar machen. Anders ausgedrückt: extrem teure Plattenspieler können extrem gut die Höhen wiedergeben. Der Digital-Technik kann man exzellente Räumlichkeit beibringen, indem man die Musik in sehr hoher Auflösung aufnimmt, speichert und abspielt und keine Kompression (z.B. MP3) benutzt, zudem moderne (und sehr teure) Digital-Player benutzt.

Seit vielen Jahren gilt der Daumenwert: bei gleicher Klang-Qualität kostet ein CD-Spieler ungefähr das 3-fache eines Plattenspielers, ein SACD-Spieler ungefähr das Doppelte. Diese (für viele überraschende und in jedem Fall für das Sparschwein unsympathische) Zahlen sind eher konservativ und gelten nur dann, wenn die Vergleichsgeräte ganz aktuell und herausragend sind. Übrigens gelten diese Preis-Relationen seit vielen Jahrzehnten - denn sowohl die Analogtechnik wie auch Digital-Player werden ständig verbessert.

Geräte des Technik-Abends

Wir haben die besten Plattenspieler, Streamer und CD-Player aufgebaut, um den Hörvergleich so spannend wie möglich zu machen.

Folgende CD-Player sind voraussichtlich zu hören:
# Rega Apollo R (ca. 850€)
# Sudgen Fusion CD (ca. 3000€)
# Digital-Wandler/SACD-Player EAR Yoshino (ca. 9.000€)

Folgende Plattenspieler sind geplant:
# Rega Planar 2 mit Ortofon 2M Blue (ca. 700€)
# Nottingham Spacedeck mit Dynavector 10X5 (ca. 3.000€)
# Brinkmann Bardo mit Grado Reference Master2 (ca. 10.000€)

Musik-Beispiele

An diesem Abend hörten wir:

Leonard Cohen: Popular Problems Daft Punkt(1) Pop-Musik: Daft Punk: Get lucky. Gute Unterhaltungsmusik - guter KLang sowohl von Schallplatte wie auch von CD. Die Besucher hörten Klang-Unterscheide: bei gleich teurem Abspielgerät (Plattenspieler & CD-Player) klang der Plattenspieler besser, bei deutliche teurerem CD-Player verschwand der Unterschied. Einvernehmen herrschte darüber, dass teurere CD-Player besser klingen. Aber: trotz besserer Klang-Qualität dürfte man nicht deutlich mehr Spaß beim Musikhören haben. Wozu dann also viel Geld ausgeben? Ganz klar: wer nur solche Musik hört, braucht kein High-End. Was auch kein Wunder ist: Unterhaltungsmusik ist so produziert, dass sie auch ohne aufwendige Wiedergabe-Elektronik unterhält. Mehr Klang ist hier nicht unbedingt gleichbedeutend mit mehr Spaß. Muss man für diese Musik wirklich so viel Geld ausgeben? Audiophile Hörer mögen dies anders beurteilen als "normale" Musik-Hörer - jeder mag sich sein Urteil bilden.
Ein weiteres Rock-Pop-Beispiel: Leonard Cohens "Popular Problems"! Toll aufgenommen, toller Musik, toller Klang. Die Schallplatte zeigt das genau: Cohen singt (oder besser: brummelt) einfühlsam, geschmeidig und mit enormer Präsenz.! Dann die CD auf einem CD-Player vergleichbaren Preises (Rega Apollo R), dann auf dem Sudgen Fusion CD und zuletzt auf der großen EAR-Digital-Kombi. Der Rega war nicht wirklich schlecht, a´konnte aber dem Rega Planar 2 nicht ansatzweise das Wasser reichen. Erst der deutlich teurere Sudgen schloss die Klang-Lücke. Und der EAR spielt nochmals besser, allerdings war der Unterschied nicht mehr riesig - im Vergleich zum Rega Planar 2 Plattenspieler. Klarer Fall: die LP war sehr gut, die CD erst mit Spitzenklasse-Player.

Yamamoto Trio(2) Jazz: als Beispiel spielte der erste Titlel aus Yamamoto Trio "Midnight Sugar", sowohl von SACD wie auch von Schallplatte. Diese Aufnahme ist nicht nur musikalisch spannend, auch die Aufnahmetechnik ist exzellent. Hier nun das umgekehrte Spiel: die SACD lief im großartigen EAR-Digitalplayer, im Vergleich spielten wir die Schallplatte zunächst auf dem preiswerten Rega Planar 2, dann auf dem Nottingham Spacedecek und zu guter Letzt auf dem Brinkmann Bardo. Die SACD klang offen, frei und mitreißend. Die Schallplatte konnte zunächst auf dem Rega nicht ganz mithalten: die Musi spielte zwar rhythmisch und offen, aber "kleiner" und weniger spannend im Vergleich zum SACD_Player. Auf dem Nottingham jedoch holte die LP deutlich auf und zog mit der SACD gleichauf. Und der Brinkmann Bardo überholte den SACD-Player dann hörbar: hier klang die Schallplatte viel besser, viel spannender.
Dieses Beispiel soll zeigen, dass guter Klang und Hör-Spaß unmittelbar miteinander zusammenhängen! Interessant war vor allem die Lässigkeit, die Selbstverständlichkeit, mit der die Musik spielte, je besser die Geräte wurden:  die jeweilige Technik (sowohl Digital wie auch Analog) traten mit zunehmender Qualität immer weiter in den Hintergrund, die Musik wurde im Gegenzug immer präsenter und spannender.

dvorak-streichquartett dvorak-streichquintett-edition-phoenix(3) Klassik - Kammermusik: hier wollen wir einmal keinen Vergleich der identischen Aufnahme machen, sondern ein Beispiel aus dem Alltag nehmen: eine sehr gute Analog-Aufnahme im Vergleich zu einer exzellenten modernen Digital-Einspielung. So können Sie zwar nicht auf kleinste Klang-Unterschiede achten. Aber im Alltag kommt es wohl eher darauf an, ob Sie die Musik mögen, Spaß am Hören haben. Und dieser Vergleich soll sowohl der Analog- wie auch der Digital-Aufnahme zum Vorteil gereichen.
Wir spielten einen Ausschnitt aus dem Dvorak Streichquintett (eine Presssung der AAA) und eine exzellente SACD mit Dvorak Streichquartett - digital vom EAR SACD-Player, analog über Brinkmann Bardo. Beides machte großen Spaß, wobei die Schallplatte geschmeidiger und packender klang. Aber auch die SACD konnte überzeugen.

Ella Fitzgerald: Cole Porter SongbookNun kam Ella Fitzgerald auf den Teller: Cole Porter Songbook (eine alte Aufnahme in Mono) von Schallplatte (Speakers Corner Re-Issue) und CD. Auch hier wiederholte sich das Scauspiel: die Schallplatte klang flüssig, logisch und mit zartem Schmelz. Die CD überzeugte erst im 3000-Euro Sudgen Fusion CD. (Anmerkung: die LP - ein Re-Issue - wurde digital remastert. Was im Klartext bedeutete: wir hörten sowohl von LP wie auch von CD Digitales. Dennoch wurde die Lp als viel besser bewertet! Was beweist, dass die Ursache besseren Klanges nicht unbedingt an digitaler Technik hängt. )
Sie werden natürlich erhebliche Unterschiede hören - kein Wunder, denn die Aufnahmen sind verschieden. Aber achten Sie auf den Hör-Spaß, auf die Verständlichkeit und den Sinn in der Musik.
Wann immer ich diesen Vergleich mache: Schallplatte kann erheblich schlüssiger die Musik darstellen, solange der Preis der Plattenspielers in etwas dem des CD-Players entspricht. Sobald Sie jedoch eine SACD (hohe Digital-Auflösung) über einen sehr guten SACD-Player spielen, zieht auch der Digital-Player in seinen Bann! Und nun entscheidet eher der persönliche Geschmack als die Wiedergabe-Technik, welches Darbietung Sie bevorzugen.
Bei solchen Hör-Vergleichen erleben Sie sehr anschaulich, wozu HiFi oder mehr noch High-End nützlich ist: die Technik macht es Ihnen möglich, Musik zu erleben und zu verstehen. Mehr noch: schlechter Klang verhindert, dass Sie solche Musik hören!

wagner-parsival-sacd wagner-parsival-knappertsbusch(4) Oper - Ein weiterer Test mit Wagners Parsifal: von Schallplatte eine alte Live-Aufnahme von 1962 mit Knappertsbusch aus Bayreuth, im Vergleich eine moderne SACD-Produktion. Die Schallplatte rauscht und knistert ein wenig (die LP-Box wieder vom Flohmarkt), aber ein riesiger Raum öffnet sich dem Zuhörer, jedes Wort ist verständlich, man sieht die Sänger förmlich vor sich. Von hinten kommt der Chor langsam auf die Bühne und singt gut verständlich. Das Orchester mit leicht dunklem Timbre - wie Live! Denn das Orchester sitzt in Bayreuth in einem Graben vor der Bühne. Das Zuhören macht großen Spaß, sicherlich auch über viele Stunden hinweg!
(Anmerkung: manch ein Rezensent hatte offenbar keine guten Wiedergabe-Geräte zur Hand. Daher wird die 1962-Aufnahme häufig als klanglich schlecht beurteilt. Siehe Beispiel. Ein schönes Beispiel dafür, wie schnell auch erfahrene Musik-Hörer sich wegen schlechter HiFi-Geräte irren...)
Wie wohl die moderne SACD dagegen klingt? Wir hörten Wagners Parsival von SACD - ein Live-Mitschnitt aus Amsterdam u.a. mit Klaus Florian Vogt. Ein gut auflösender Klangraum, wenngleich mit einem etwas matten Orchesterklang.
Hier dürfte sich die Mehrheit eher für die Schallplatte entscheiden, obwohl auch die SACD seinen Reiz hat. Das Beispiel zeigt gar nicht so sehr technisch-audiophile Unterschiede von Analog oder Digital. Vielmehr dürfte dieser Vergleich deutlich machen, weshalb sich so viele Menschen wieder für das Schallplatten-Hören entscheiden: die Musik auf Platte ist einfach wunderbar! Knistern und Rauschen kann das Gehör ausblenden, es bleibt: Musik!

Fazit: Digital-Technik mag aufwendiger und teurer sein als Schallplatte, sowohl Analog wie auch Digital können überzeugend klingen. Letzten Endes sollte die Musik darüber entscheiden, ob man CD, SACD oder LP zum Hören benutzt. Denn wichtig ist nicht die Technik, sondern die Musik, das Erleben.

Anlage des Abends

Unsere Anlage für diesen Abend:
# EAR Yoshino 868PL Röhren-Vorstufe mit Phono-Eingang
# EAR Yoshino 8L6 Röhren-Endstufe
# Avalon Idea Lautsprecher
# Ansuz Stromkabel (Vor- und Endstufe)
# Ansuz Mainz8 Stromfilter (alle Geräte)
# Tellurium Blue Stromkabel (EAR Yoshin DACute/SACD-Player, Brinkmann Bardo, Sugden Fusion CD)
# Supra LoRad Stromkabel (Marantz NA6005, Rega Apollo R)
# Ansuz Lautsprecherkabel und NF-Kabel
# Ansuz DarkZ Stellfüße (unter EAR Yoshino DACute / SACD-Player)
# Stillpoints UltraDamper unter Brinkmann Bardo
# Cardas NF-Kabel (Phono, Vor-Endstufe)

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