Der Nagra BPS ist ein kompakt aufgebauter Phono-Vorverstärker in Halbleiter-Technik. Der Nagra BPS ist für MC-Systeme und MM-Systeme umschaltbar. Eingangswiderstand und Eingangs-Kapazität sind wahlweise zuschaltbar. Der Nagra BPS arbeitet im MC-Eingang mit Spezial-Übertragern, die Nagra selber fertigt. Die Verstärker-Elektronik mit RIAA-Entzerrung arbeitet für MM-Systeme optimiert. Durch diesen Trick kann die Verstärker-Elektronik optimiert werden (in diesem Fall Verstärkungsfaktor wie für MM-Tonabnehmer notwendig). Wenn man den BPS mit einem MC-System einsetzen möchte, werden die eingebauten Übertrager zugeschaltet und sorgen für korrekte Impendaz-Anpassung und Verstärkung.
Die Stromversorgung erfolgt mit einer 9V-Blockbatterie, dadurch entfallen Brummschleifen. Wahlweise kann ein externes Netzteil bzw. ein Akkupack angeschlossen werden. Da die 9V-Batterie sehr lange hält, ist diese Option in der Regel kaum notwendig.
Die Schaltungstechnik ist sehr aufwändig ausgeführt und mit Nagra-eigener Perfektion realisiert. Ein Blick in das Innenleben des Nagra BPS läßt das Herz jeden Technikers höher schlagen! Studiotechnik vom Feinsten, adaptiert für HiFi-Anwendung.
Der Nagra BPS arbeitet unsymmetrisch, Ein- und Ausgänge sind Cinch-Buchsen. Es werden Anpass-Widerstände mitgeliefert. Der Nagra BPS wird in einem stabilen Transport-Koffer geliefert und kann dadurch auch im robusten Studio-Alltag eingesetzt werden.
Der erste Gedanke beim Anblick der Nagra BPS: oh Schreck! So ein kleines Ding für soviel Geld!
Die BPS kommt zwar in einem übschen kleinen Koffer daher, der aber nicht über die wahre Größe der BPS hinwegtäuschen kann.
Der zweite Gedanke: perfekt verarbeitet, professionell die Anmutung mit der auf das Gehäuse aufgedruckter Schaltung.
Dritter Gedanke (beim Öffnen des Gehäuses, um die MM/MC-Schalter zu kontrollieren): diese Verarbeitung! Perfekt! Nagra-eigene Übertrager: süße kleine Dinger!
Nagra baut sehr individuelle Geräte ohne Rücksicht auf Mainstream. Die Phonostufe BPS macht da keine Ausnahme. Ein kleines Kistchen, einige Mini-Steckbrücken mit Widerständen und Kondensatoren, Inbus-Schlüssel und ein Messprotokoll: das ist alles, was für fast zweitausend Euro von den Schweizern geliefert wird. Nagra heißt: mehr Sein als Schein. Innere Werte.
Aber kann ein Hersteller, der ursprünglich mit miniaturisierten Spulentonbandgeräten berühmt wurde, auch gute Phonostufen bauen?
Die kurze Antwort: ja!
Die lange Antwort: diese Phonostufe ist eine Preis-Sensation! Noch niemals konnte eine Phonostufe mit derart realistischer Raumabbildung in dieser Preisklasse aufwarten. Noch niemals war ein derart griffiges, dynamisch packendes und dennoch sahnig fließendes Klangbild zugleich denkbar. Diese kleine Nagra BPS hat unsere großen Boliden das Fürchten gelehrt. Eine Hovland HP200-Phonostufe mag etwas eleganter musizieren, der Klang einen Hauch filigraner daherkommen -- die Nagra hingegen macht Raum, Luft, Weite!!! Eine Whest PS30 mag dynamischer und quirliger spielen, aber die Nagra scheint noch mehr PS zu haben, die man aber erst hört, wenn sie gefordert werden! Wenn es eine Kreuzung zwischen Rolls Royce und Ferrari gäbe, sie hieße Nagra!
Vermutlich macht sich das Schaltungskonzept der Nagra BPS positiv bemerkbar: MC-Übertrager mit einer exzeptionellen MM-Transistorstufe sind schon mehrfach bei uns als klarer Sieger aus Vergleichstests hervorgegangen. Bislang aber galt für Übertrager: sie klingen toll, aber niemand möchte die Dinger kaufen. Nagra hat nun einfach die Übertrager ganz klein gemacht und in das Gehäuse integriert. Dieses Konzept dürfte auch Gegner von Übertragern überzeugen (oder einfach überrumpeln, weil niemand die kleinen Übetrgarer wirklich bemerkt). Wir haben die Nagra BPS (nach kurzem Warmlaufen an einer Reihe von Plattenspielern und Tonabnehmern) an einen Brinkmann LaGRange mit 12-Zoll-Brinkmann-Tonarm und Lyra Skala angeschlossen. Das Lyra kann ohnehin eine beeindruckende Raumlichkeit bieten. Aber in Kombination mit dem Nagra BPS steht man wirklich bei den Musikern, sitzt in der 6 Reihe des Konzertsaales! Hören Sie mit dieser Kombination einmal die Live-Aufnahme von Wagners Parsifal. Mit anderen Phonostufen macht diese Einspielung auch einen Riesenspaß, aber mit der Nagra husten die anderen Besucher dieser Aufführung scheinbar neben Ihnen. Die Dielen der Bühne knarzen derart realistisch und ortbar, dass ich mich mehrfach erschrocken habe! Und ich dachte, ich kenne diese Aufnahme... Und dann die Sprachverstädnlichkeit der Sänger - das habe ich bislang noch nicht erlebt!
Eines will ich nicht verschweigen: die Nagra spielt insgesamt "erdig", sachlich. Man sieht die Sänger, die Musiker auf der Erde stehen. Mit anderen Phonostufen war die Abbildung nicht gar so plastisch, sondern eine Idee ätherischer, luftiger. Das mag manchem an der Nagra nicht so gefallen, und dann könnte eine Hovland oder eine Whest die bessere Wahl sein. Wenn man sich an die erdige Spielweise aber nach kurzem Hören gewöhnt hat, mag man die Nagra nicht mehr hergeben! Dieses Ding scheint alles richtig zu machen, andere Geräte scheinen im Vergleich geradezu verfärbt und verwaschen zu klingen.
Die Nagra macht Spaß! Nicht auf RTL-Comedy-Niveau, sondern hintersinnig, tiefgründig und intelligent. Ein Spaß, der sicherlich auch nach vielen Jahren noch jeden Hörer gefallen dürfte!
Wenn Sie eine extrem ehrliche Phonostufe suchen, deren Verarbeitung über jeden Zweifel erhaben ist, deren Klang und vor allem Raumabbildung erheblich besser als alles, was irgendein anderes Gerät dieser Preisklasse zu bieten hat, dann sollten Sie die Nagra BPS hören!
P.S.: wir haben die Nagra BPS eigentlich noch nicht lange genug gehört, um sie abschließend zu unserem Referenzgerät zu machen. Wenn wir Schwächen entdecken sollten, werden wir diese Beschreibung ändern! Bis dahin . . .